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Zukunftssicherung im Handwerk

Erstmals starteten das Berliner und Brandenburger Handwerk im Juni eine gemeinsame Umfrage. Ausgehend von den sinkenden Schulabgängerzahlen und dem altersbedingten Rückgang der Beschäftigung stand die „Zukunftssicherung im Handwerk“ im Mittelpunkt der Befragung. Ziel der Umfrage war es herauszufinden, ob und in welchem Ausmaß Probleme bei der Besetzung der offenen Stellen auftreten, mit welcher Strategie die Betriebe selber einer eventuellen Fachkräftelücke begegnen wollen und wie sich die Ausbildungsleistung derzeitig und zukünftig entwickelt. 

Dreiviertel der befragten Handwerksbetriebe im Kammerbezirk Frankfurt (Oder) - Region Ostbrandenburg haben sich bereits mit dem Thema „Demographischer Wandel und den Auswirkungen auf den eigenen Betrieb“ beschäftigt und es wird immer klarer, dass die Wirtschaft in absehbarer Zeit Probleme bei der Personalbeschaffung haben wird, wenn jetzt nicht gehandelt wird.  

Der Minister für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie des Landes Brandenburg Herr Günter Baaske führte anlässlich des Brandenburger Handwerkskammertages aus, dass der Fachkräftebedarf in den kommenden Jahren rapide zunehmen wird. Schon bis 2015 wird damit gerechnet, dass 270.000 Arbeitsplätze nicht besetzt werden können, wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden, im Jahr 2030 wird mit 460.000 freien Stellen gerechnet. Dramatisch ist bereits heute, führte er aus, dass jährlich im Saldo ca. 12.000 junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahren das Land Brandenburg ausgebildet in andere Bundesländer verlassen, während sich die Schülerabgängerzahlen nahezu halbiert haben. Es wird erforderlich werden zusätzliche Ausbildungsplätze über das nötige Maß hinaus zu schaffen, da jeder weitere Ausbildungsplatz ein Schritt in die Zukunftssicherung der eigenen Branche bedeutet. Erfreulich ist daher, dass etwa zwei Drittel der befragten Ausbildungsbetriebe im Kammerbezirk beabsichtigen ihre Ausbildungsleistung konstant zu halten. Im Bau- und Ausbaugewerbe liegt der Anteil sogar über 73 Prozent und im Kfz-Gewerbe bei 68 Prozent. Allerdings gibt auch jeder Vierte an, die Ausbildungsleistung zu senken. Hauptgründe hierin sehen die Betriebe in der Schwierigkeit einen geeigneten Lehrling zu finden, in der angespannten Situation des Betriebes und in der sinkenden Zahl der Schulabgänger. Etwa jeder dritte Betrieb hält die Durchführung von Schülerpraktika für eine wichtige Maßnahme verstärkt Jugendliche für den eigenen Betrieb zu gewinnen.

Fachkräfte sichern bedeutet allerdings nicht nur Nachwuchs zu gewinnen. Es heißt auch Mitarbeiter zu binden und ihre Leistungsfähigkeit zu erhalten. Dazu gehört die Einbindung in Entscheidungen und Übertragungen von Verantwortlichkeiten, das Unterbreiten von Weiterbildungsangeboten, die altersgerechte Weiterentwicklung von Aufgaben und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die Praxis zeigt: Eine Vielzahl der Handwerksbetriebe hat bereits jetzt Schwierigkeiten, geeignete Fachkräfte zu finden oder Ausbildungsplätze erfolgreich zu besetzen. Nahezu jeder vierte Betrieb hat zurzeit in Berlin – Brandenburg offene Stellen zu besetzen. Am höchsten ist der Anteil der Suchenden allerdings im Kammerbezirk Frankfurt (Oder). Hier haben knapp 34 Prozent der Betriebe unbesetzte Arbeitsplätze und damit einen wachsenden Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften. Offene Stellen können nur unzureichend mit Fachkräften besetzt werden, besonders im Bauhauptgewerbe, im Handwerk für den gewerblichen Bedarf und im Gesundheits- und Nahrungsmittelgewerbe. Hauptgrund hierfür sehen etwa ein Drittel der befragten Unternehmen darin, dass die Qualifikation der Bewerber nicht den Anforderungen entspricht. Um einem Fachkräftemangel vorzubeugen sprechen sich die Betriebe dafür aus, die Ausbildung im eigenen Betrieb zu verstärken, eine intensivere Fortbildung der Mitarbeiter zu gewährleisten und die Zusammenarbeit mit Arbeitsagenturen und Jobcentern zu intensivieren. Dagegen wird im Moment das Potential, dass sich aus der Gewinnung von Arbeitnehmern aus dem Ausland erschließen könnte, als gering eingeschätzt.

Im Ergebnis lässt sich feststellen, dass unsere gemeinsame Aufgabe darin besteht, alle Potentiale in unserer Region zu mobilisieren, zu qualifizieren und für das Handwerk zu begeistern. Junge Menschen müssen das Handwerk als attraktiven und modernen Wirtschaftsbereich wahrnehmen, der berufliche Perspektiven und einen sicheren Arbeitsplatz bietet.

Astrid Köbsch 



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