Als Alleinmeister unterwegs


Der Elektromeister Ulrich Virkus aus dem Frankfurter Ortsteil Lossow gehört zu den selbstständigen Handwerkern, die ihr eigener Arbeitnehmer sind. Doch das war nicht immer so.

Von 1975 bis 1983 war er auf den Baustellen und in der Werkstatt der PGH Elan tätig.

In dieser Zeit machte er seinen Handwerksmeisterabschluss, der Voraussetzung für den späteren Schritt in die Selbständigkeit werden sollte.

Danach arbeitete er bis zur Wende im Spezialbau Potsdam. „ Wir erneuerten die Elektroinstallation in den Kasernen der Sowjetarmee. Wir sanierten auch komplette Gebäude. Die alten Installationen waren noch vom vorherigen Hausherren, der Wehrmacht . Bei den Übergaben der fertig gestellten Arbeiten hatten wir es oft mit einem äußerst genauen Inspektor der Ketsch zu tun, der jeden Dübel abzählte. Da war Mogeln nicht drin“, so der Handwerksmeister.

Von Januar bis Oktober 1990 nahm er eine neue Herausforderung in Baden-Würtemberg an. „Betrieb und Unterkunft lagen direkt an der Grenze zur Schweiz. Von unserem Fenster aus konnte man über den Rhein in die Schweiz sehen. Der Arbeitgeber wollte uns behalten und baute sogar zwei Mehrfamilienhäuser für uns“, denkt Virkus dankbar an diese Zeit zurück.

„Ich entschied mich jedoch, in die Heimat zurückzukehren, denn ich hatte Anfang der 80er Jahre in Lossow ein Haus gebaut, das ich nicht aufgeben wollte.“ Er hatte es zu 70 Prozent selbst gebaut, darunter auch viele Maurerarbeiten, nur mit der Heizung z.B. hatte er einen früheren Kollegen betraut. Am 1. Oktober 1990 begann er sein Gewerbe. Er richtete im Keller seines Hauses die Werkstatt ein und wandelte die Garage in ein Handlager um. In einem ehemaligen Kollegen vom früheren Spezialbau fand er den Arbeitnehmer, der bis 2006 an seiner Seite blieb.

Was sich junge Handwerksmeister heute sicher nur schwer vorstellen können: Der Existenzgründer startete ohne Telefon- und Faxanschluss, von Internet gar nicht zu reden.

„Immer wenn ich telefonieren oder eine Materialbestellung aufgeben musste, war ich gezwungen in ein Telekommunikationshaus zu fahren, das für Selbstständige rechts neben dem Gebäude der Hauptpost im Stadtzentrum eingerichtet wurde. Hier ging es nicht ohne lange Wartezeiten ab.” Der Elektromeister schrieb eine Petition an den Deutschen Bundestag über diesen Zustand. „Bald wurden behelfsmäßige Leitungsmasten in Lossow aufgestellt und ich bekam einen Telefonanschluss“, so Ulrich Virkus.

Nie hat der Meister den Arbeitgeber hervorgekehrt. „Ich habe immer mitgearbeitet“, sagt er. An sehr vielen Eigenheimen, die seit 1990 entstanden sind, hat er seinen Anteil. „Es waren auch Mehrfamilienhäuser dabei mit bis zu 38 Wohnungen, die komplett installiert werden mussten. Dafür habe ich befristet drei Mitarbeiter eingestellt“, sagt er.

Eine feste Partnerschaft mit Bauträgerfirmen lehnt er ab. „Das schafft Abhängigkeit. Einzelne Aufträge sind mir lieber“, sagt er. Hauptsächlich ist er in Frankfurt (Oder) und in der Region unterwegs. Für einzelne Aufträge fuhr er auch bis nach Berlin.

Seit 2006 ist er als Alleinkämpfer unterwegs und betreut einen kleinen Kundenstamm. Auch Auftraggeber aus Handelseinrichtungen gehören dazu. Der einzige Lehrling, den er ausgebildet hat, war sein Sohn Frank. Nach diversen Erfahrungen in der Arbeitswelt beschloss dieser, nicht in die Fußstapfen des Vaters zu treten sondern stattdessen einen leichteren und lukrativeren Job anzunehmen.

Wenn der knapp 60-jährige Elektromeister auf seine Selbstständigkeit zurückblickt, ist er im Großen und Ganzen zufrieden. „Nur in den ersten Jahren habe ich mir kaum Urlaub gegönnt, höchstens mal eine Woche“, sagt er. „Gerade für die Kinder war das nicht so schön.“

Elektroinstallation Virkus Ulrich Lossow

Burgwallstr. 9B
15236 Frankfurt (Oder) – Lossow
0335/545769

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