Mit Meistertitel stehen ihm die Türen überall offen


Matthias Kandula hat Nervenstärke bewiesen und auf seiner Kündigung bestanden. „Ich hatte eine Meisterausbildung abgeschlossen und wollte auch als Meister bezahlt werden. Ich hatte es mehrfach angesprochen, es führte kein Weg dorthin, dann habe ich mich nach etwas anderem umgesehen und gekündigt. Drei Tage vor Ablauf der Kündigungsfrist kam der Chef dann zu mir und machte mir ein Angebot. Jetzt bin ich hier als Meister angestellt. Für die Instandhaltung“, berichtet er. Das war im November 2013. Wenige Monate vorher hatte er seinen Brief als Meister des Elektrohandwerks erhalten – nach einer zweijährigen Ausbildung. Heute ist er immer noch bei der Stahlbaufirma am Rande des Oderbruchs tätig. Dabei hält er sich alle Optionen offen. „Vielleicht studiere ich ja auch noch mal“, sagt der Jungmeister. „Das macht aber erst Sinn, wenn ich mich wirklich selbstständig machen will“, fügt er hinzu. Momentan will er das nicht. Denn ihm gefällt seine Arbeit. Als Elektromeister hat er jetzt eine ganze Instandsetzungstruppe unter sich. Der Maschinenpark ist alt – „wir haben hier noch richtige russische Drehmaschinen“ – da gibt es immer etwas zu reparieren. „Und das macht Spaß, weil man hier noch alles selbst machen kann. Bei den neuen Maschinen tauscht man nur eine Platine aus. Und das war es. Hier bei uns ist noch richtiges echtes Handwerk gefragt“, versichert er.

Schon als Kind habe er Elektriker werden wollen. „Mein Großvater war Elektroingenieur, mein Vater hatte auf der Werft gearbeitet. Ich habe zu meiner Mutter mal gesagt, wenn ich groß bin, werde ich Elektriker und Werftarbeiter. Und im Prinzip bin ich es ja auch geworden.“ Nur dass der Betrieb, in dem er arbeitet, nun keine Schiffe mehr produziert, sondern vor allem Stahlbrücken. Einige davon stehen in der Region herum und überspannen beispielsweise die Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße.

Die Zielstrebigkeit, die er brauchte, um eine Meisterausbildung durchzustehen, hatte er als Jugendlicher nicht. Das Gymnasium brach er ohne Abitur ab. „In dem Alter hatte ich jede Menge Flausen im Kopf. Außerdem wollte ich schnell Geld verdienen. Später habe ich das bedauert“, sagt er. Und korrigiert. Schließlich öffnet ein Meistertitel auch die Hochschultüren. Zwei Jahre dauerte die Meisterausbildung, „ich hatte Teil eins und zwei sowie Teil drei und vier parallel absolviert“, erklärt der Jungmeister. Das hieß für ihn, Mittwochs, Freitags und Samstags die Schulbank zu drücken. Eine große Belastung. „Mittendrin gab es schon mal Phasen, wo ich mir gesagt habe, wozu machst Du das eigentlich. Schmeiß es doch einfach hin. Aber nein, das wollte ich schaffen“, erinnert er sich. Und er hatte es geschafft. Der Betrieb hatte ihn damals unterstützt, Beispielsweise durfte er an den Schultagen früher Feierabend machen, ohne dass ihm ein finanzieller Nachteil dadurch entstanden wäre.

Ab und an hat er überlegt, die Region zu verlassen und ganz woanders neu anzufangen. „Doch wie gesagt, mir gefällt mein Job“, überlegt er. Und er hat neben der Elektrik noch eine andere große Leidenschaft, die ihn in der Region hält: Der Fußball. Er ist Fußballtrainer, hat den Trainer-Schein gemacht und trainiert die Kindermannschaft in Oderberg und die Männermannschaft in Britz. Das will er nicht so ohne weiteres aufgeben. Und so bleibt er erst einmal da. „Ich halte mir die Zukunft aber offen“, sagt er. Und die besten Voraussetzungen, sich neu zu orientieren, die hat er. Unter anderem mit einem Meisterbrief in der Tasche.

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