Sie bleibt bis zum Schluss ihren Kunden treu


Die Farbe des Firmenschildes an ihrem Haus ist schon etwas abgeblättert. Doch wer zu Bärbel Kernchen, der einen von zwei Friseurinnen von Groß Lindow kommt, braucht keinen Wegweiser. Zum Salon geht es in das Kellergeschoss hinab. Hier wurden die Kunden schon zur großen Eröffnung am 1. September 1990 Empfangen.

 

Das Frisieren liege ihr im Blut, meint sie. Nicht ohne Stolz zeigt sie die Mitgliedskarte der Friseur-Zwangsinnung der Handwerkskammer Frankfurt (Oder), die am 7. Oktober 1929 auf den Namen ihrer Mutter Erna Paschke ausgestellt ist. Sie hatte im damaligen Ober-Lindow ihren Salon eröffnet und war die erste, die weit und breit einen neuartigen Dauerwellenapparat in Betrieb nahm, den man noch heute im Salon  ihrer Tochter besichtigen kann.

Bärbel Kernchen hat ihren Beruf im Geschäft von Heinz Frevel, der späteren PGH Figaro in Groß-Lindow, erlernt. Hier war sie fast zwanzig Jahre lang die Objektleiterin. Als die Wende kam, wollte sie nicht in der PGH bleiben. Inzwischen schon 49 Jahre alt, stellte sie den Antrag auf Ausnahmebewilligung und machte sich selbstständig.

Da in ihr Haus eine moderne Heizung Einzug hielt, wurde der Kohlenkeller frei. Hier richtete sie mit Hilfe der Familie und von Handwerkern ihren Salon ein, der anfangs bescheiden ausfiel. Da die PGH ihren Standort aufgab, konnte sie einen Teil des Inventars günstig erwerben. „Am Anfang habe ich auch meine Ware über die PGH bezogen. Ein Bekannter erzählte mir, dass in Eisenhüttenstadt der Intershop schließen würde“, erinnert sie sich. „Hier kaufte ich billig Warenträger und Vorhänge.“

Bärbel Kernchen konnte einen großen Teil ihres Kundenstammes erhalten und modernisierte im Laufe der Jahre ihren Salon. Stolz ist sie z.B auf ihren elektronisch gesteuerten Hairmaster, der noch mehr kann als die Trockenhauben. Über zehn Jahre arbeitete sie mit einer Mitarbeiterin. Doch dann rechnete es sich nicht mehr. Die Stammkunden werden weniger, viele gehen nach Polen, meint sie.

Bärbel Kernchen hat bereits die 70 geknackt, doch sie sieht deutlich jünger aus. Sie hat nicht die Absicht reich zu werden und bleibt bei ihren moderaten Preisen. „Ich habe meine Rente“, sagt sie „und das, was ich einnehme, betrachte ich als mein Taschengeld. Ich arbeite, weil es mir Spaß macht und ich meinen Kunden treu bleiben will.“ Manche ihrer Kunden schaffen nicht mehr den Weg zu ihr. Sie sucht sie daher für Fön- oder Dauerwelle mit dem Fahrrad oder dem Auto auf, je nachdem wie weit der Weg ist.

Die meisten Kunden vereinbaren telefonisch einen Termin. Manche kommen aber auch so vorbei. Dann kann es sein, dass sie einen Zettel an der Tür vorfinden, auf dem steht „Komme gleich wieder“. Dann nämlich steht die Friseurin am Heerd, kühlt sich im Pool ab oder kümmert sich um die Enkel.

Bärbel Kernchen findet, sie hat vor über 20 Jahren mit ihrer Selbstständigkeit eine gute Wahl getroffen. „Sonst hätte ich jeden Tag nach Frankfurt, Müllrose oder Brieskow-Finkenheerd zur Arbeit fahren müssen. So aber brauche ich nur die Treppe herunterzugehen.“

Sie scheint rundum zufrieden zu sein. „Wenn nicht die Probleme mit dem Grundwasser wären“, sagt sie. Nach mehreren Regentagen überflutete das Wasser den Boden ihres Salons. „Da mussten wir ihn schnell leerräumen. Doch seit der letzten Renovierung habe ich keine Sorgen mehr.“

2015

Bärbel Kernchen
Friseursalon

Lindenstraße 20
15295 Groß Lindow

033609 859

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