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Filip d’Huêt wuchs in Słubice auf. Er studierte Automatisierungstechnik in Poznań. Und schlug Jobangebote von Samsung und VW aus. Um Deutsch zu lernen. Und in Frankfurt (Oder) eine Berufsausbildung zu machen. Warum?

Filip d'Huêt wuchs in Słubice auf. Er studierte Automatisierungstechnik in Poznań. Und schlug Jobangebote von Samsung und VW aus. Um Deutsch zu lernen. Und in Frankfurt (Oder) eine Berufsausbildung zu machen.

© HWK-FF.DE // Mirko Schwanitz

DHB: Herr d’Huêt, was surrt hier so?

Filip d’Huêt: Das ist ein Großformatplotter. Mit ihm sind wir in der Lage große Elektropläne auszudrucken, die dann, die Grundlage für jede unserer Baustellen sind.

DHB: Und diese Pläne entstehen wo?

Filip d’Huêt: Genau gegenüber, an meinem PC. Hier entwerfe ich das, was Sie am Ende als Zeichen, Punkte und Linien auf den ausgedruckten Plänen sehen.

DHB: Und Sie wollten schon immer ein Herr der Schaltpläne werden?

Filip d’Huêt (lacht): Ach wissen Sie, wenn man jung ist, will man vieles werden. Sogar Astronaut oder Straßenbahnfahrer.

DHB: Sie sind in Słubice aufgewachsen. Hätten Sie jemals daran gedacht, eines Tages jenseits der Oder im Büro einer Frankfurter Firma zu arbeiten?

Filip d’Huêt: Nein. Ich ging nach Abitur erst einmal nach Poznań, studierte dort Automatisierungstechnik. Aber ich spürte schon während des Studiums, dass mir das alles zu theoretisch war. Aber ich bin ein Mensch der durchzieht, was er einmal begonnen hat. Hab also nicht abgebrochen.

DHB: … und danach sogar lukrative Stellenangebote bei VW und Samsung ausgeschlagen. Warum?

Filip d’Huêt: Ich wäre da in ein Büro gegangen, hätte mich dort Problemlösungen gewidmet. Ich hätte gut verdient, wäre aber – wie sagt man auf Deutsch – vom Regen in die Traufe gekommen. Auch dass, was ich dort hätte tun müssen, war mir zu theoretisch. Ich wollte die direkte Verbindung haben von meiner Arbeit mit der Praxis draußen. Und: Ich bin ein Mensch, der gern dazu lernt, lieber einen Berg hinauf, als hinunter geht.

DHB: Nur gibt’s in Słubice gibt’s weder eine Abschussrampe noch eine Straßenbahn. Wie also kamen Sie auf Schaltpläne?

Filip d’Huêt: Über die Kirche.

DHB: Über die Kirche!?

Filip d’Huêt: Ja, mit 13 Jahren half ich mit anderen Jugendlichen in unserer Kirchengemeinde älteren Menschen bei der Renovierung ihrer Wohnungen. Wir malerten, tapezierten, reparierten Möbel. Damals verlegte ich auch unter fachkundiger Anleitung das erste Mal eine Elektroleitung. Möglich, dass es so begann. Genau kann ich das nicht mehr sagen. Aber sicher trug auch dazu bei, dass mein Vater Fernsehtechniker war. Damals wurden Fernseher ja noch repariert…

„Meine Sorge: Würde man mich nur als billige Arbeitskraft sehen?

Filip d'Huêt wuchs in Słubice auf. Er studierte Automatisierungstechnik in Poznań. Und schlug Jobangebote von Samsung und VW aus. Um Deutsch zu lernen. Und in Frankfurt (Oder) eine Berufsausbildung zu machen.

DHB: Was heißt das?

Filip d’Huêt: Das ich mich nach dem Studium umgeschaut habe. Noch etwas lernen wollte. Aber etwas, bei dem ich mein Studium gut gebrauchen konnte. Meine Freundin arbeitete bereits als Pädagogin in einem Kindergarten in Frankfurt (Oder). Als Słubicer sprach ich schon etwas Deutsch. Also warum die Sprache nicht richtig lernen und dort „drüben“ in die eigene Zukunft investieren?

DHB: Und dann hörten Sie von MobiPro?

Filip d’Huêt: Ja, von diesem tollen europäischen Projekt, das jungen Menschen aus Europa die Chance gab, Deutsch zu lernen und eine Berufsausbildung in Deutschland zu machen. Das war genau das, was ich suchte.  Die Handwerkskammer vermittelte nicht nur den Deutsch-Unterricht, sondern auch die Betriebe. Das machte es zunächst einmal wirklich einfach. Man konnte Deutsch lernen und erst einmal ein Einstiegspraktikum machen, bei dem man wiederum die Sprache in der Praxis trainieren aber auch die Arbeit und seinen Betrieb selbst kennenlernen konnte.

DHB: Hatten Sie keine Vorbehalte oder Sorgen?

Filip d’Huêt: Ich gehöre bereits einer Generation an, die sehr europäisch geprägt ist. Die Oder ist für Słubicer keine Grenze mehr. Jeder in meiner Stadt nimmt unser Zusammenleben ernst und schätzt die Chancen, die unsere Doppelstadt anbietet. Also nein, ich hatte keine Vorbehalte. Meine Sorgen waren anderer Natur.

DHB: Welche?

Filip d’Huêt: Ob ich in einer deutschen Firma wirklich willkommen bin? Oder ob ich als Pole für sie nur eine billige Arbeitskraft wäre…

DHB: Und was wurde aus diesen Sorgen?

Filip d’Huêt: Sagen wir mal so: Sie waren nicht unberechtigt. Ich kam zu einer Firma, die mir genau dieses Gefühl vermittelte. Auch Mitarbeiter meinten, Junge, wenn Du noch was vorhast, weiterkommen willst, such Dir eine andere Firma. Und das tat ich dann auch. Ich wandte mich an die Expertinnen von MobiPro. Und die halfen mir dann noch während des Einstiegspraktikums zu wechseln.

Filip d'Huêt wuchs in Słubice auf. Er studierte Automatisierungstechnik in Poznań. Und schlug Jobangebote von Samsung und VW aus. Um Deutsch zu lernen. Und in Frankfurt (Oder) eine Berufsausbildung zu machen.

© HWK-FF.DE // Mirko Schwanitz

„Die jungen deutschen Gesellen sind praxisnäher ausgebildet“

DHB: Wie denken Sie heute über diese Zeit?

Filip d’Huêt: Ich will nicht grundsätzlich Schlechtes sagen. Die Kollegen waren nett. Ich glaube, dass mittelständische Firmen heute nicht mehr so geführt werden können wie früher. Dass man Wege finden muss, junge Leute zu halten und zu binden. Man muss von ihnen etwas verlangen. Aber man muss ihnen stärker als früher zeigen, dass man sie wertschätzt. Und natürlich möchte man als junger Mensch Entwicklungsperspektiven. Die aufzuzeigen oder zu schaffen fällt der einen Firma schwerer, der anderen leichter.

DHB: Und ihrer neuen Firma fiel das leichter?

Filip d’Huêt: Ob es ihr leichter fällt, kann ich nicht sagen. In junge Menschen zu investieren, zumal in Menschen wie mich, für die Deutsch nicht die Muttersprache ist, ist ja immer auch eine Investition, die Aufwand bedeutet. Personell und finanziell. Der Firma, in der ich heute bin, ist es den Aufwand aber wert. Und das merkte ich sofort.

DHB: Woran?

Filip d’Huêt: Es gab einen eigenen Ausbilder, der sich Zeit nahm. Und der schnell mitbekam, was jeder schon konnte oder eben nicht konnte. Mir half er in den ersten drei Monaten sehr, die Fachbegriffe zu erlernen, die deutschen Normen. Erst danach durfte ich mit auf die Baustellen.

DHB: Sie schlossen ihre Berufsausbildung als einer der Jahrgangsbesten ab?

Filip d’Huêt: Nun ja. Vergessen Sie bitte nicht, dass ich bereits ein Studium als Automatisierungstechniker absolviert hatte. Das Theoretische war für mich also etwas einfacher, als für manch anderen Auszubildenden. Aber die Ausbildung erfüllte meine Erwartungen. Vor allem die enge Verbindung zwischen Theorie und Praxis.

DHB: Die gibt es in Polen nicht?

Filip d’Huêt: Die Verbindung ist nicht so eng wie hier in Deutschland. Ich glaube, dass viele Deutsche gar nicht ahnen, wie gut sie es mit ihrem dualen Berufsausbildungssystem haben. In Polen ist die Ausbildung viel theoretischer. Bei uns können sie zwar bereits mit einem Berufsabschluss aus der Schule kommen, haben aber weniger praktische Erfahrung. Die jungen deutschen Gesellen sind praxisnäher ausgebildet. Auch lernt man in Polen natürlich nicht, welche Normen in Deutschland gelten. Aber genau das war es, was ich wollte.

DHB: Wollen Sie damit sagen, das polnische Elektrofirmen auf dem deutschen Markt mit Gesellen arbeiten, die die deutschen Normen nicht kennen?

Filip d’Huêt: Nein. In jedem Land lernt man in der Berufsschule die Normen, die im eigenen Land gelten. In Polen also die polnischen. Polnische Firmen und polnische Gesellen, die auf dem deutschen Markt tätig sein möchten, müssen sich die in Deutschland geltenden Normen eigenverantwortlich aneignen und natürlich umsetzen.

„Leider geistert in den Köpfen noch immer ein veraltetes Berufsbild“

DHB: Woran merken Sie, dass man Sie in Ihrer jetzigen Firma wertschätzt?

Filip d’Huêt: Das merkte ich sehr früh. Elektro Jahn schickte mich als Polen zum Brandenburger Landesleistungswettbewerb. Mein Ausbilder und ich erhielten viel Zeit, damit ich mich darauf vorbereiten konnte. Als ich dann den Wettbewerb gewann, klopften mir alle auf die Schulter. Ich durfte Brandenburg dann sogar beim Bundesleistungswettbewerb vertreten. Das war schon eine große Ehre für einen Słubicer. Aber es ist natürlich auch ein Aushängeschild für die Firma, einen solch guten Mann ausgebildet zu haben.

DHB: Und wie steht es um die Entwicklungschancen?

Filip d’Huêt: Ich erstelle mit meinen Kollegen die Pläne für große Bauvorhaben. Und man schickte mich zu Qualifizierungen. Ich bin in unserer Firma heute außerdem Spezialist für Brandmelde- und Sprachalarmanlagen. Erst hier erfuhr ich, wie vielfältig und spannend der Beruf eines Elektrikers sein kann.

DHB: Wieviel hat Ihr Beruf heute noch mit dem eines Elektrikers zu tun?

Filip d’Huêt: Ich glaube, dass viele immer noch ein veraltetes Berufsbild haben. Elektriker sind Leute, die ein paar Schlitze stemmen und Drähte verlegen, Sicherungskästen montieren und Lichtschalter anklemmen. Klar sind das noch immer die Basics. Aber heute geht es längst um das vernetzte Haus, Energieeinsparpotentiale, Solareinspeisung, Speichertechnik. Ich finde die Entwicklungen faszinierend. Was wir Elektrogesellen daraus machen, liegt an uns selbst. Aber natürlich auch an den Entwicklungsmöglichkeiten, die uns unsere Firmen geben.

Filip d'Huêt wuchs in Słubice auf. Er studierte Automatisierungstechnik in Poznań. Und schlug Jobangebote von Samsung und VW aus. Um Deutsch zu lernen. Und in Frankfurt (Oder) eine Berufsausbildung zu machen.

© HWK-FF.DE // Mirko Schwanitz

Filip d’Huêt wuchs in Słubice auf. Später studierte er in Poznań und schloss mit einem Bachelor in Automatisierungstechnik ab. Er schlug mehrere Jobangebote von Samsung und VW aus, um in Deutschland eine duale Ausbildung zum Elektroniker zu absolvieren. Seit 2020 ist er nun Geselle bei der Firma Elektro Jahn in Frankfurt (Oder).

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