Wenn der Kühlschrank grillt


SMART HOME: OB ONLINE-KONFIGURATOR, 3D-DRUCK, APPS FÜR DAS AUFTRAGSWESEN, 
ROBOTIK UND KÜNSTLICHE INTELLIGENZ (KI) – DIE DIGITALISIERUNG BIETET HANDWERKERN NÜTZLICHE EINSATZSZENARIEN. WICHTIGER ASPEKT: DER AUFBAU VON DIGITALKOMPETENZ. WIR SPRACHEN DARÜBER MIT ELEKTROMEISTER ROBERT ENGELHARDT AUS BERNAU. Ein Interview von Mirko Schwanitz

Immer den Durchblick und das Smartphone nur zum Telefonieren – Elektromeister Robert Engelhardt

© HWK-FF.DE // Mirko Schwanitz

DHB: Herr Engelhardt, haben Sie ein Smartphone?

Robert Engelhardt: Ja. Aber ich nutze es eigentlich nur zum Telefonieren. Persönlich ist die Nutzung von Social Media-Kanälen auf dem Smartphone nicht so mein Ding. Ich finde, dass dieses kleine Kästchen uns zu sehr versklavt.

DHB: Oh weh, und das aus dem Mund eines Elektromeisters, der den Leuten das Home smart machen soll…

Robert Engelhardt: Da reden wir über zwei verschiedene Sachen. Die private Nutzung eines Smartphone ist das eine. Das andere ist die Nutzung von digitalen Tools, die mir Arbeit, Firmenorganisation und Marketing erleichtern. Die nutze ich selbstverständlich, schule mich und meine Mitarbeiter regelmäßig.

DHB: Kritiker behaupten, die Nutzung digitaler Tools führe nicht zu mehr, sondern unterm Strich zu weniger Effektivität, weil ihre Bedienung und Nutzung zu viel Arbeitszeit in Anspruch nimmt.

Robert Engelhardt: Das Erlernen des sicheren Umgangs mit branchentypischer Software, die etwa Arbeitsabläufe effektiver gestaltet, kostet in der Einführungsphase Chefs und Angestellte sicher Zeit und Nerven. Vor allem, wenn sie anfangs nicht reibungslos funktionieren, Rückfragen mit dem Softwareanbieter zu klären sind oder sich bei updates ständig Benutzeroberflächen ändern und Apps einfach nicht intuitiv genug zu bedienen sind

Elektromeister Robert Engelhardt

© HWK-FF.DE // Mirko Schwanitz

„Wenn man Lösungen für 50.000 Euro verkauft und der Kunde dann an seinem Smarten Home verzweifelt, fällt das am Ende immer auf den Handwerksbetrieb zurück…“

Elektromeister Robert Engelhardt

DHB: … gibt es auch ein Aber?

Robert Engelhardt: Natürlich. Früher habe ich handschriftlich Kassenbücher geführt. Das waren richtige kleine Kunstwerke. Heute werden bei uns der Waren- und Lagerbestand, Einkauf- und Rechnungslegung selbstverständlich digital erledigt. Es bringt eine enorme Zeitersparnis. Der nächste Schritt wird sein, all unsere Vorarbeiter mit Tablets auszurüsten und zu vernetzen.

DHB: Ein Klick und die Zentrale weiß, wo noch ein Teil benötigt wird…?

Robert Engelhardt: Es geht nicht nur um fehlendes Material, das auf der Baustelle benötigt wird. Manchmal geht es auch um technisches Know-how. Probleme sind so fast in Echtzeit erfassbar. Wir in der Firma können schneller reagieren – und der Kunde ist zufrieden. Dafür aber brauchen wir Mitarbeiter, die mit digitalen Technologien umgehen können und dem Wandel positiv gegenüberstehen. Nur so lässt sich für unser Unternehmen das ganze Potenzial der Digitalisierung erfolgreich ausschöpfen.

DHB: Was halten Sie vom Trend zum smarten Home?

Robert Engelhardt: Privat habe ich keins. Aber wenn ein Kunde es wünscht, sein Bügeleisen mit der Waschmaschine zu vernetzen, kann er das haben. Wichtig ist herauszufinden, was der Kunde wirklich will. Im Vorfeld muss geklärt werden: Wird der Kunde mit seinem smarten Home auch umgehen können? Wird er die notwendigen Tools bedienen können? Wenn man jemanden Lösungen für 50.000 Euro verkauft und der Kunde später an der „schönen neuen Welt“ verzweifelt, weil sein eigenes Haus ihn aussperrt, der Kühlschrank das Essen grillt oder die gesamte Sprachsteuerung nur noch auf Spanisch funktioniert, dann ist das ärgerlich und  fällt am Ende immer auf den Handwerksbetrieb zurück. Das sollte man stets bedenken….

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