Spinnennetze am Klingelknopf


HANDWERK UND SPORT: ROBERT ENGELHARDT WOLLTE EIGENTLICH DIE FIRMA DES VATERS ÜBERNEHMEN. ES KAM ANDERS. SEIT 17 JAHREN FÜHRT ER SEIN EIGENES UNTERNEHMEN. ER VERPASSTE IHM EIN GERADEZU SPORTLICHES IMAGE. DIE FOLGE? SEIN ELEKTROBETRIEB HAT WENIGER NACHWUCHSPROBLEME.

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© hwk-ff.de/Mirko Schwanitz

Sportler rennen in einen See. Das Wasser spritzt. Im Hintergrund schimmert mythisch der Liepnitzsee. Plötzlich bewegt sich das Bild. Und mit ihm bewegen sich drei Worte: Engelhardt. Liepnitzsee. Triathlon.  Sie sind einfach unübersehbar – die Monteurfahrzeuge des Elektrounternehmers Robert Engelhardt.

„So soll es sein“, lacht der 43jährige in seiner neuen Firmenzentrale am Rande Bernaus. Als Hauptsponsor des deutschlandweit beliebten „Engelhardt-Liepnitzsee-Triathlons“ gibt sich die Firma eher wie ein hippes Start Up: Coole Fotos, stylisches Interior. Der Chef ordnet gerade ein paar Papiere auf dem Schreibtisch. Den kann er nach Bedarf herauf- oder herunterfahren. Je nachdem, ob ihm sein Rücken sagt, ob er lieber sitzen oder stehen will. Man spürt, Robert Engelhardt ist ein Mann, der für das Handwerk 4.0 steht. Nicht nur mit Blick auf den höhenverstellbaren Schreibtisch.

„Angst vorm ersten Arbeitsvertrag? Nein. Respekt? Ja“

„Eigentlich wollte ich den Elektrobetrieb meines Vaters übernehmen. Aber nicht immer geht das so zusammen. Vor allem dann nicht, wenn es der älteren Generation schwerfällt, loszulassen, wenn Unternehmensphilosophien aufeinanderprallen.“ Robert Engelhardt entschied sich, seinen eigenen Weg zu gehen, ohne finanziellen Rückhalt des väterlichen Unternehmens. „Ich startete mit einem alten Auto, kaufte mir meine eigenen Werkzeuge. Mein erstes Objekt war – ganz klassisch – ein Einfamilienhaus. 2006 hatte ich bereits zwei Mitarbeiter. Ob ich Angst hatte, den ersten Arbeitsvertrag zu unterschreiben? Nein. Respekt? Ja. Schlimmer war es, den ersten Mitarbeiter zu entlassen. Davor hatte ich wirklich eine schlaflose Nacht. Das war, als uns der Wegfall der Eigenheimzulage den ersten Auftragseinbruch bescherte.“

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© hwk-ff.de/Mirko Schwanitz

Heute hat Robert Engelhardt 31 Mitarbeiter, sieben Azubis und – im Gegensatz zu manch anderem Handwerksbetrieb – weniger Probleme, Nachwuchs zu finden. Hat das vielleicht mit der lässigen Triathlon-Werbung auf seinen Firmenwagen zu tun? „Nicht nur. Aber auch“, sagt er. „Man muss sich irgendwann entscheiden, wie man sein Unternehmen führen, wie man es präsentieren will. Gerade in Zeiten der Nachwuchskrise. Für mich sind Sportevents, an denen viele junge Menschen teilnehmen, eine gute Möglichkeit, auf mein Unternehmen aufmerksam zu machen. Ich selbst bin Triathlet. Ich lebe, was ich sponsere. Genauer: was ich dort vermittle. Engelhardt – eine Firma, die ausbildet und nach Feierabend sportlich aktiv ist! Sport verbindet. Er bietet gute Möglichkeiten, um mit aktiven jungen Leute ins Gespräch zu kommen. Wenn wir warten, bis die Azubis bei uns klingeln, weben eher Spinnen ihre Netze an unseren Klingelknöpfen.“

„Werbung funktioniert. Auch in der eigenen Firma“

Sportlich war Robert Engelhardt schon als Jugendlicher. Seine Lehrer meinten gar, er hätte das Zeug zur Sportschule. „Nachdem, was ich heute über das Doping in der DDR weiß, muss ich meinen Eltern wohl dankbar sein, dass sie dem damals nicht zugestimmt haben“, meint er nachdenklich. Lange Zeit war es dann vorbei mit dem Sport. „Aber als meine Frau vor sechs Jahren mit dem Joggen begann, kaufte auch ich mir wieder Laufschuhe und los ging’s. Anfangs nur, um den Kopf freizubekommen.“ Seitdem, so eine Angestellte, erleben auch die Mitarbeiter ihren Chef wesentlich entspannter.

Ob 80 Einheiten einer Bernauer Wohnungsbaugenossenschaft, in Industrieobjekten oder Laborgebäuden – überall, wo Engelhardts Leute auftauchen, werden sie auf das Bild des „Engelhardt-Liepnitzsee-Marathons“ angesprochen. „Werbung funktioniert“, sagt Engelhardt. „Wenn Sie gut gemacht ist.“ Im Übrigen auch in der Firma. Inzwischen kommen selbst Mitarbeiter mit zu den Laufevents. „Das stärkt den Teamgeist und damit auch die Bindung an die Firma“, beobachtet Robert Engelhardt.

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