Happy End nach langer Odyssee | HWK-FF.DE

Allgemein Happy End nach langer Odyssee

BERUFSANERKENNUNG 10 JAHRE KÄMPFTE SIE UM DIE GLEICHSTELLUNG IHRES ABSCHLUSSES: BIS SIE IN OSTBRANDENBURG DIE RICHTIGEN HELFER FAND. HEUTE IST TANYA DIETERT ERFOLGREICHE EXISTENZGRÜNDERIN UND UNTERNEHMERIN

Den Start in Deutschland hatte sich Konditorin Tanya Dietert anders vorgestellt. Ihren Beruf hat die Bulgarin in Velingrad gelernt – in einem Berufsgymnasium für Köche und Konditoren. Malerisch schmiegt sich die Stadt in die Berge des Orpheus, ins Rhodopengebirge. Velingrad ist bekannt für seine heißen und schon bei den Römern beliebten Mineralquellen. Nach ihrer Ausbildung zog Tanya in die Welt. Vermittelt über die Vereinigung europäischer Spitzenköche, Euro Toques, absolvierte sie internationale Praktika. Danach kehrte sie in ihre Heimatstadt zurück – als Dessertchefin eines 5-Sterne-Hotels. Viermal wurde sie in die berühmteste Koch-Show des Landes eingeladen. Dann kam die Liebe. Und mit ihr eine zehn Jahre währende Odyssee.

Zur Hilfsköchin degradiert

„Ich heiratete einen deutschen Mann und folgte ihm. Zuerst zwei Jahre nach Erlangen in Bayern. Dann zogen wir nach Berlin. Gleich am ersten Tag in Deutschland ging ich zum Arbeitsamt, wollte in meinem Beruf arbeiten. Doch es hieß: Geht nicht! Ihre Schule steht nicht im System. Wohin ich auch kam, man wies mir immer mit bedauerndem Achselzucken die Tür. Ich jobbte als Hilfsköchin, als Hilfskraft in einer Bäckerei… Meine Ausbildung, meine Erfahrung, das alles war nichts wert. Neun Jahre später zogen wir nach Eberswalde. Und mein Leben änderte sich komplett.“

„Hier in Ostbrandenburg fand ich zwei Menschen, die sich endlich meines Problems annahmen. Einen Experten der IHK und eine Expertin der Handwerkskammer für die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse. Beide arbeiteten zusammen, klärten in kürzester Zeit, was offenbar kein Arbeitsamt, keine andere Behörde in Deutschland zu klären in der Lage war. Ich kann kaum beschreiben, wie dankbar ich bin! Denn ich bekam nicht nur die Anerkennung meines Berufsabschlusses, sondern auch noch Unterstützung bei der Gründung meiner eigenen Patisserie.“

Dank Handwerkskammer zum Tortenparadies

Tanya Dietert erzählt unaufgeregt. Die verlorenen Jahre, die andere zur Weißglut getrieben hätten, sie lächelt sie einfach weg. Mit diesem Lächeln hat sie ihrer „Patisserie Dietert“ in kürzester Zeit einen breiten Kundenstamm erobert. Ein paar Stufen führten noch bis vor kurzem hinunter in die „Alte Post“. Der Umsatz stimmte. Der Laden brummte.  Der Erfolg war so groß, dass Tanya Dietert im Juni eine neue, größere Patisserie mit 70 Plätzen eröffnen konnte. „Das ist hier ja ein Tortenparadies“, entfährt es einer Besucherin angesichts der in der Theke effektvoll durch kleine Schildchen in Szene gesetzten Köstlichkeiten:  russische Medovik und Pavlova, Wiener Schoko und Sacher, Mascarpone und Himbeerschachbrett, Madam Pompadour … Wie ein Happy End nach langer Odyssee habe sie ihren Erfolg empfunden, sagt Tanya Dietert. Wenn da nicht das Virus wäre. Es wurde investiert, die Mietverträge sind langfristig abgeschlossen, neues Personal wurde eingestellt. Doch wegen der behördlich verordneten Beschränkung der Sitzplätze feheln 50 Prozent der Gäste.  Und die Kredite drücken.

Mirko Schwanitz

PR-Redakteur

Telefon: 0335 5619 - 197
Telefax: 0335 5619 - 279

mirko.schwanitz@hwk-ff.de

Logo_Zu_Besuch_im_Handwerk_onlineanwendungen