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5 Fragen an: Jung-Geselle und SHK-Anlagenmechaniker Tobias Ninnemann

  1. Viele wissen zum Ende der Schulzeit nicht, was sie werden sollen und wollen. Was würdest Du suchenden Schülern empfehlen?

Tobias Ninnemann: Auch wenn ihr genügend Taschengeld bekommt, versucht ab der achten Klasse in Euren Ferien immer wenigstens ein Wochenpraktikum bei einer anderen Firma zu machen. So kommen am Ende der Schulzeit einige Praktika zusammen. Das macht sich gut in einer Bewerbung. Im Idealfall habt ihr über diese Praktika den Beruf gefunden, der Euch gefällt.

  1. Wie hast Du Deinen Beruf gefunden?

 Tobias Ninnemann: Ich wollte Informatik studieren. Und fand leider zu spät heraus, dass mir das Studium zu langweilig, zu viel Theorie war. Ich hatte Glück, dass mein Onkel eine SHK-Firma hatte und ich dort bereits öfter ein Praktikum gemacht hatte.

  1. Welche Erklärung hast Du dafür, dass so viele Schüler am Ende ihrer Schulzeit nicht wirklich wissen, was sie für einen Beruf lernen sollen?

 Tobias Ninnemann: Die Berufswelt ist heute so divers, dass viele schon mit den Berufsbezeichnungen nichts anzufangen wissen. Was ein Gerüstbauer macht, ist ja noch einigermaßen klar. Aber was unterscheidet den SHK-Mechatroniker vom SHK-Anlagenmechaniker? 

  1. Das könnte man über das Internet doch schnell herausfinden? 

Tobias Ninnemann (lacht): Es ist ein Trugschluss anzunehmen, dass die Mehrheit der Schüler wirklich weiß, wie man sich richtig informiert. Man daddelt hier, man daddelt da, aber zielgerichtet recherchieren tun die wenigsten. Die Folge: Sie finden nicht die Seiten, auf denen sie sich informieren könnten. Meine Schulzeit ist noch nicht so lange her. Ich weiß wovon ich spreche. 

  1. Wie müssen Betriebe, die Hände ringend Nachwuchs suchen, darauf reagieren? 

Tobias Ninnemann: Ich hätte mir gewünscht, dass entsprechende Informationen in jeder Oberschule und vor allem in meinem Gymnasium sichtbar gewesen wären. Wie finde ich schnell und seriös zu Webseiten, die mir kurz und knapp Berufsbilder erklären. Die vielleicht schon Ansprechpartner nennen und wo sich Firmen vorstellen, die Auszubildende suchen und Praktika anbieten.

 

Die einen reden. Ich mache.

Früher saß er lieber in seinem Zimmer und redete mit seinem Computer. Später studierte er Informatik. Und brach das Studium ab. Heute ist er Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Und das mit Leib und Seele.

Wenn Sie mich fragen, was ich für ein Gewächs bin, dann würde ich sagen: Ich bin eine Pflanze aus der Uckermark. Hier, auf den Dörfern, hat man als Kind schon noch Berührung mit dem Handwerk. Meine Eltern haben einen Hof, eine Scheune. Mein Vater ist gelernter Tischler. Da gab’s immer was zu basteln. Nicht, dass ich das von alleine getan hätte. Ich ließ mich schon bitten. Aber nicht zweimal. Also anpacken, helfen, das war für mich ganz normal, mit den Händen arbeiten nichts Fremdes. Außerdem waren meine Onkel alle im Handwerk. Ich wusste also immer, wo ich mir in den Ferien was zum Taschengeld dazu verdienen konnte.

Aber eigentlich stand ich mehr auf Computer. Da rumzuschrauben, aufzurüsten, auch zu programmieren, das war meine Welt. Deswegen musste man mich immer erst bitten, mal aus meiner „Höhle“ rauszukommen. Irgendwann merkte ich, dass ich ein kleiner Nerd geworden war. Ja. Doch. So würde ich mich schon sehen. Als Nerd. Ich mein, dass ist nichts Negatives. Im Gegenteil, mein Faible, Interesse und Verständnis von Programmier- und Computertechnik hat mir in meinem ersten Jahr als Geselle als Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik viel geholfen.

„High Tech und körperliche Arbeit? Find ich gut.“

Dass ich selbst mal Handwerker werden würde? Nee, das war echt nicht abzusehen. Ich bin normal zur Schule, dann auf’s Gymnasium. Wollte Informatik studieren. Hab ich auch erstmal gemacht. Aber war mir zu theoretisch. Nach zwei Jahren merkte ich, das ist nichts für mich. Ich habe das Studium abgebrochen. Und nun? Was nun? Mein Onkel hatte nach der Wende mit einem Freund eine SHK-Firma gegründet. Der sagte: Na dann komm’ste eben zu mir. Hab ich gedacht: Eh ich zuhause rumsitze? Kann ich ja machen! War aber mitten im Ausbildungsjahr. Da bin ich eben als Hilfsarbeiter eingestiegen. Die Kollegen kannten mich ja, war ja schon zur Ferienarbeit da. Das war als easy. Bin mit auf die Baustellen. Hab gesehen, wie heute High Tech und körperliche Arbeit in dem Beruf zusammenkommen. Fand ich gut. Ich bin groß. Kraft habe ich auch. Also hab ich gesagt: Das zieh ich jetzt durch. Und weil ich das Abitur hatte, konnte ich dann gleich ins zweite Lehrjahr einsteigen. Die Berufsschule war dann auch nicht wirklich ein Ding für mich. Da hat man es als Abiturient echt leichter.

„Meine Forderung: Praktischer Unterricht von der ersten bis zur letzten Klasse!“

Heute würde ich allen auf dem Gymnasium sagen: Schaut doch auch mal, ob’s nicht was im Handwerk für euch gibt. Sind ja am Ende viele nicht glücklich mit ihrem Studium. Oder arbeiten in einem völlig anderen Bereich. Aber dazu müsste echt was passieren. Wenn ich zurückdenke. Ich glaub, in meiner Abiturzeit wurde im Gymnasium nicht einmal darüber gesprochen, dass man seinen Weg auch im Handwerk machen kann. Und welche Karrierechancen sich auch da bieten. Nee, immer nur Studium, Studium, Studium… Und was kommt am Ende bei raus. Ich seh’s doch manchmal bei Kunden. Eine Elterngeneration, die ihren Kindern noch nicht mal beibringt, wie man einen Nagel in die Wand schlägt. Da müssen wir uns nicht wundern, dass wir in Deutschland ein Fachkräfteproblem haben. Hat nicht nur mit dem demografischen Wandel zu tun. Das Handwerk muss auf die Gymnasien. Praktischer Unterricht von der ersten bis zur letzten Klasse, sag ich.

„Wir müssen auch auf den Gymnasien über Karriere im Handwerk reden“

Tobias Ninnemann

 

Ich bin jetzt etwas mehr als ein Jahr Geselle. Und ich liebe meinen Beruf. Vor allem die Vielfalt. Wir bauen kleine Heizungen ein, aber durchaus mit anspruchsvollen Steueranlagen. Die müssen programmiert werden. Da kann ich auch älteren Kollegen schon helfen. Manche haben ja noch nicht einmal ein Smartphone. Mit denen werden aber in Zukunft viele Sachen gesteuert. Klar, ich muss noch eine Menge lernen. Aber das Ziel ist klar: Ich will meinen Meister machen. Vielleicht kann ich den Betrieb meines Onkels ja mal weiterführen. Ist doch `ne Perspektive! Ne echte Herausforderung!

Auch wenn wir ein kleiner Betrieb sind, wir machen auch hochkomplexe Anlagen. Also zum Beispiel mit Brennstoffzellen oder Wasserstofftechnologie. Und dann sehe ich die „Fridays for Future“-Kids durch die Stadt laufen und ich denk mir, hey, schaut mal her! Ihr redet über Klimaschutz. Ich tute schon was dafür. Das ist ein cooles Gefühl.

Mirko Schwanitz

PR-Redakteur

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