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Zu Besuch im Handwerk Mit jedem Patienten verheiratet

Aufmacher

© Mirko Schwanitz

Orthopädietechnikermeister Enrico Scherfel beschäftigt 12 Mitarbeiter. Seine Firma könnte wachsen. Doch wie viele hat die Scherfel Orthopädietechnik ein Fachkräfteproblem.

Von Mirko Schwanitz

Zwei stilisierte Menschen, die sich einander zuwenden und ein Herz bilden. Das ist das Logo der Orthopädietechnik Scherfel in Schwedt. „Darin steckt alles, was meine Firma ausmacht“, sagt Enrico Scherfel. Seit mehr als 30 Jahren arbeitet er als Orthopädietechniker, seit 23 Jahren ist er Meister seines Fachs. „In der DDR machte ich eine Werkzeugmacherlehre. Nach der Wende wurde meine Firma, die Radargeräte baute, platt gemacht. Ich absolvierte dann erst einmal einen Zivildienst in einem Pflegeheim.“ Schwer zu sagen, ob das der Auslöser war. Aber der Werkzeugmacher wollte sein handwerkliches Geschick fortan dafür einsetzen, anderen Menschen zu helfen. „Klingt ein wenig pathetisch, ist aber so.“

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Das freundliche Team von Orthopädietechnik Scherfel

Die Meisterprüfung – eine Herausforderung

Enrico Scherfel schulte um. „Das Faszinierendste an unserem Job ist, dass wir jeden Tag für ein oft hochkomplexes Problem eine individuelle Lösung finden müssen. Bei uns verbinden sich Kenntnisse über Anatomie und Physik mit Werkstoffkunde und Elektronik.“ Schon die Meisterprüfung war eine Herausforderung. „Ich sollte einem Patienten mit einer Prothese helfen. Ihm war wegen eines Tumors im Oberschenkel der Unterschenkel seitenverkehrt an die Hüfte operiert worden. Er sollte das Sprunggelenk als Kniegelenk nutzen können. Wenn Menschen dank unserer Hilfe wieder gehen können, ohne dass man ihnen ansieht, dass sie eine Prothese oder Orthese nutzen, erfüllt mich das mit Stolz. Aber auch mit Verantwortung. Denn: Orthopädietechniker sind irgendwie mit jedem Patienten ‚verheiratet‘.“ Nastja Moltschowa ist so Beispiel. Die junge Belarussin wurde elf Jahre nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl mit einer Missbildung am rechten Bein geboren. „Mit fünf Jahren stand sie das erste Mal vor mir und sagte: Wenn ich in die Schule komme, möchte ich ganz normal mit anderen in der Schulbank sitzen können.“ Seitdem hat Enrico Scherfel den Weg der jungen Frau begleitet. „Heute ist Nastja 23, kann nicht nur Treppensteigen und schwimmen, sondern auch reiten.“

Ausgezeichneter Ausbilder

23 Jahre arbeitete Enrico Scherfel als Angestellter, bevor er sich entschloss, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Neun Lehrlinge hat er bisher ausgebildet. Vor kurzem wurde er für die Ausbildung der Landessiegerin im Bereich Orthopädietechnik ausgezeichnet. „Ich gebe Wissen gerne weiter“, sagt er. „Wir sind inzwischen 12 Mitarbeiter. Dennoch brauchen wir Nachwuchs. Denn in Schwedt ist es nicht nur eine Herausforderung, junge Leute zu finden, sondern auch sie zu halten. Da geht es mir wie vielen anderen Handwerksbetrieben.“ Und so treibt auch Enrico Scherfel die Frage um, wie es gelingt, bei Jugendlichen Interesse für sein Handwerk zu wecken.  „Ich glaube, dass es sehr wichtig ist, den Schülern von heute bewusst zu machen, wie eine Welt aussehen wird, in der es immer weniger Handwerker geben wird. Man muss ihnen klarmachen: Es wird die Welt sein, in der sie leben werden.“ Er jedenfalls wird wieder an Lehrberufeschauen teilnehmen, wird weiter für seinen Beruf werben, den er für einen der erfüllendsten auf der Welt hält… Mirko Schwanitz

Mirko Schwanitz

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