Nie auf billig gesetzt | HWK-FF.DE

Zu Besuch im Handwerk Nie auf billig gesetzt

Gerhard Eberwein. 1990 räumte er seinen alten Schweinestall aus. 1991 gründete er darin seine eigene Firma. Heute ist die Eberwein Hydraulik GmbH ein hochspezialisiertes Unternehmen, das 70 Prozent seiner Aufträge bekommt, ohne je ein Angebot abzugeben.

30 JAHRE DEUTSCHE EINHEIT: DER EINIGUNGSVERTRAG WURDE AM 31. AUGUST 1990 GESCHLOSSEN ER VERÄNDERTE MILLIONEN LEBENSLÄUFE, SICHERTE DEN OSTDEUTSCHEN PERSPEKTIVEN UND VERLANGTE VON IHNEN ENORME ANPASSUNGSLEISTUNGEN. OHNE HANDWERKSBETRIEBE UND LEUTE MIT MUT FÜR DEN WEG IN DIE SELBSTSTÄNDIGKEIT WÄRE DIE VEREINIGUNG KEINE ERFOLGSGESCHICHTE GEWORDEN.

Gerhard Eberwein (65) ist Geschäftsführer von Hydraulik Service Eberwein im Boitzenburger Land. Der Handwerksmeister hat aus dem Nichts eine hochspezialisierte Firma. Und baute – ganz nebenbei – ein von Touristen gut besuchtes DDR-Museum auf.

DHB: Herr Eberwein, wo waren sie im August 1990, als der deutsche Einigungsvertrag geschlossen wurde?

Gerhard Eberwein: Ich räumte wahrscheinlich meinen Schweinestall aus.

DHB: Sie hielten Schweine?

Gerhard Eberwein: Fast jeder hier hatte welche. Unsere zehn haben wir gleich nach der Wende abgeschafft. Wie auch unsere drei Bullen, die schöne Kuh und das Pferd. Ich brauchte den Platz, um mich selbstständig zu machen. Der Stall wurde meine erste Werkstatt.

DHB: Sie haben sich sofort selbstständig gemacht?

Gerhard Eberwein: Mit einer Drehbank, einer Bohrmaschine und einer Säge und noch vor Abschluss des Einigungsvertrages als Einzelkämpfer. Im Januar 1991 gründete ich meine Firma.

DHB: Klingt, als hätten Sie immer schon vorgehabt, sich selbstständig zu machen…

Gerhard Eberwein (lacht): Nee, nee – Landwirt war mein Traumberuf. Aber mein Vater wollte das nicht. Ich ging in der 8. Klasse ab, lernte Dreher im Prenzlauer Armaturenwerk. Dort blieb ich drei Jahre, holte meine 10. Klasse nach und ging dann als Landmaschinenschlosser in den Kreisbetrieb für Landtechnik.

DHB: … wo ihnen irgendwann die Leitung der Reparaturabteilung angetragen wurde.

Gerhard Eberwein: Genau. Ging aber ohne Meisterabschluss nicht. Also machte der einstige 8. Klasse-Abgänger auch noch seinen Meisterabschluss.

DHB: Nur das ihr Meister für Landtechnische Instandhaltung nach der Wende nicht anerkannt wurde

Gerhard Eberwein: So ist das Leben. Nicht immer gerecht. Ich habe sofort die Anpassungslehrgänge gemacht.

DHB: Klingt als wäre der Übergang einfach gewesen…

Gerhard Eberwein: Einfach?! Ich fing als Subunternehmer für ein Braunschweiger Unternehmen an, reparierte Zylinder und handelte mit Schläuchen. Damals bin ich mit meinem Trabi täglich rund 400 Kilometer zu Kunden gefahren. Gleich bei den ersten Aufträgen gab es Probleme mit der Bezahlung. 1991 machte ich gerade einmal 3000 Mark Umsatz. Mein Gewinn? Gerade einmal 1000 Mark.  Heute haben wir einen Umsatz von 100 000 Euro – im Monat. 1995 kaufte ich das Gelände meines früheren Arbeitgebers und startete mit drei Mitarbeitern Heute haben 20 Beschäftigte und bilden seit 13 Jahren Lehrlinge aus.

DHB: Sie haben nie auf billig gesetzt?

Gerhard Eberwein: Nein. Wenn die Kunden meinen Preis nicht bezahlen wollen, können Sie woanders hingehen. Weil unsere Qualität aber von Beginn an stimmte, mache ich heute noch 70 Prozent der Aufträge ohne Angebot. Die Kunden zahlen den Preis, den ich ihnen nach Abschluss der Arbeiten nenne. Es hat sich rumgesprochen, dass meine Preise nie zu hoch, sondern fair sind.

DHB: Kennen Sie sich eigentlich noch immer mit Tieren aus?

Gerhard Eberwein: Wieso? Wollen Sie eine Kuh kaufen? Dann sollten Sie darauf achten, dass der Schwanz nie länger ist als bis zum Hacken… Interview: Mirko Schwanitz