Gemeinsame Sonderumfrage der Handwerkskammern des Landes Brandenburg 2014


Im Juni 2014 haben die Handwerkskammern Cottbus, Frankfurt (Oder) – Region Ostbrandenburg sowie Potsdam zahlreiche Handwerksunternehmen  befragt Wesentlicher Teil waren sowohl Fragen zur gegenwärtigen und zukünftigen wirtschaftlichen Situation sowie Fragestellungen zu Risiken bei der wirtschaftlichen Entwicklung des eigenen Betriebes sowie zur Planung von betrieblichen Investitionen. Ihre Beteiligung an dieser Umfrage half uns die aktuelle Situation und die voraussichtliche Entwicklung darzustellen, Probleme zu erkennen und Lösungsansätze abzuleiten. Unter anderem waren die folgenden Sonderfragen zu beantworten:

  • Wo sehen Sie neben dem Fachkräftemangel Risiken bei der wirtschaftlichen Entwicklung Ihres Unternehmens in den nächsten 12 Monaten?
  • In welchen Bereichen planen Sie betriebliche Investitionen?

Wir haben die Umfrageergebnisse ausgewertet und wollen Sie Ihnen gern zur Verfügung stellen. Die Vorstellung der Ergebnisse erfolgte am 21. August 2014 auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Potsdam. Den vollständigen Überblick entnehmen Sie bitte dem Download auf diesen Seiten. Wir danken den teilnehmenden Unternehmen.

Zusammenfassung

Wirtschaftliche Situation

  • Mit aktuell 84 Prozent (Vorjahr: 87 Prozent) beurteilt erneut ein erfreulich hoher Anteil der Handwerksbetriebe im Kammerbezirk Frankfurt (Oder) – Region Ostbrandenburg ihre gegenwärtigen Geschäftsergebnisse als zumindest zufriedenstellend bzw. saisonüblich, darunter 42 Prozent (Vorjahr: 37 Prozent) mit gut. Dabei setzen sich die zu beobachtenden stärkeren Differenzierungen der Geschäftsentwicklung nach Gewerkegruppen fort. Besonders gute Geschäftsergebnisse meldet, wie bereits im Vorjahr, das Ausbaugewerbe. Ähnlich gut fiel die Beurteilung in der Gruppe der Bauhauptgewerbe, in den Handwerken für den gewerblichen Bedarf und für das Gesundheitsgewerbe aus. Die gegenwärtige Geschäftslage in den Lebensmittelhandwerken orientiert sich an der Vorjahreseinschätzung. Offenkundig verschärft sich der Wettbewerb mit dem Lebensmitteleinzelbereich weiter und führte in der Bewertung nicht mehr zu einer guten Einschätzung der Geschäftslage. Neben dem Nahrungsmittelhandwerk überwiegen auch bei den personenbezogenen Dienstleistungen die Negativmeldungen. Die Beurteilung der Geschäftsergebnisse fällt in Handwerksbetrieben mit mehr als 50 Beschäftigten besonders gut aus. In dieser Beschäftigtengrößenklasse wird sowohl gegenwärtig als auch zukünftig keine schlechte Geschäftslage gemeldet. Die gute Beurteilung der aktuellen Geschäftslage wird sich auch in den kommenden Monaten fortsetzen. Der Geschäftsklimaindex hat sich gegenüber dem Vorjahr um 3 Punkte verbessert, insbesondere getragen durch die derzeitige und erwartete Einschätzung aus dem Ausbaugewerbe, der Handwerke für den gewerblichen Bedarf und im Gesundheitsgewerbe.
  • 28 Prozent der Befragten schätzen ein, dass die Auftragsnachfrage in den letzten Monaten gestiegen ist, was einer Steigerung von 6 Prozent gegenüber der Vorjahresumfrage entspricht. Weitere 53 Prozent gehen von einer gleichbleibenden Nachfrage aus. Obwohl die Mehrzahl der Befragten den aktuellen Auftragsbestand als ausreichend und saisonüblich einschätzt, halten ihn dennoch 19 Prozent für zu gering. Dies trifft insbesondere für die Lebensmittelhandwerke und für die personenbezogenen Dienstleistungen zu. Die Erwartungen hinsichtlich der zukünftigen Auftragsentwicklung sind weithin optimistisch, insbesondere im Baubereich.
  • Die Auftragsreichweite ist besonders im Bauhauptgewerbe mit 9,1 Wochen, im Ausbaugewerbe mit 9,6 Wochen und bei den Handwerken des gewerblichen Bedarfs mit 9,0 Wochen als sehr gut zu bezeichnen, dennoch im Vergleich zum Vorjahr leicht fallend. Im Vergleich zum Vorjahr schätzen 26 Prozent der Befragten aus dem Ausbaugewerbe den Auftragsbestand als verhältnismäßig groß ein, dagegen fast 30 Prozent der Handwerke für den gewerblichen Bedarf als zu gering. Der Auftragsbestand bei den Handwerksbetrieben mit 50 und mehr Beschäftigten beläuft sich auf 28 Wochen (Vorjahr: 16 Wochen) und es wird erneut deutlich, dass insbesondere die Berlin nahen Landkreise und neu Frankfurt (Oder) von einem komfortablen Auftragsbestand berichten.
  • Die Auswertung der Beschäftigungssituation in Ostbrandenburg zeigt ein sehr stabiles, ausgeglichenes Niveau. 12 Prozent mehr als zum Vorjahreszeitraum, damit 84 Prozent der Befragten, halten ihren Personalbestand konstant. Am stabilsten wird die Situation im Kfz- und Nahrungsmittelgewerbe eingeschätzt. Insgesamt bleibt festzustellen, dass über alle Gewerkegruppen hinweg lediglich 3 Prozent einen Personalaufbau vorgenommen haben, während 13 Prozent Personal abgebaut haben. Der deutlichste Personalabbau ist in jedem dritten Unternehmen der befragten Gesundheitsgewerbe zu verzeichnen. Die hohe Beschäftigungskonstanz wird sich nach Einschätzung der Unternehmen auch in den kommenden Monaten fortsetzen.
  • Auch im Ergebnis der diesjährigen Sonderumfrage überwiegt der Anteil der Betriebe mit Umsatzeinbußen den Anteil derer mit Umsatzzuwächsen, allerdings weitaus abgeschwächter als im Vorjahr. Derzeit berichten 21 Prozent (Vorjahr: 19 Prozent) der Befragten über gestiegene Umsätze und 24 (Vorjahr: 28 Prozent) über gesunkene Umsätze. Für nahezu jeden Zweiten blieben die Umsätze dagegen gleichbleibend. Die beste Umsatzentwicklung verzeichnete das Gesundheitsgewerbe. 47 Prozent der Befragten konnten Umsatzsteigerungen vermelden. Die Erwartungen an die Umsatzentwicklung in den nächsten 6 Monaten sind überwiegend positiv, insbesondere im Baubereich. Etwa jeder Vierte der Befragten aus den Handwerken für den gewerblichen Bedarf und dem Nahrungsmittelgewerbe geht von eher sinkenden Umsätzen aus.
  • Die Investitionsneigung der Handwerksbetriebe bewegt sich nahezu auf Vorjahresniveau, tendenziell weiter abnehmend. Die Investitionsaktivitäten in den nächsten 6 Monaten werden, nach Einschätzung der Befragten, für etwa die Hälfte konstant bleiben, aber auch in jedem dritten Unternehmen mindestens eher sinken. Die höchste Investitionsneigung besteht in der Anschaffung von Maschinen, gefolgt von Investitionen im Bereich EDV und in die Qualifikation der Mitarbeiter, besonders ausgeprägt in den Unternehmen zwischen 10 und 49 Beschäftigten.

Sonderfragen

  • Bürokratie- (62 Prozent) und Steuerbelastung (60 Prozent) sind neben dem Fachkräftemangel für die Unternehmen die größten Herausforderungen in den nächsten 12 Monaten. Gewerkeübergreifend sehen 47 Prozent in steigenden Energie- und Rohstoffpreisen einen Risikofaktor für ihre zukünftige wirtschaftliche Entwicklung. Hier sorgen neben den aktuell hohen Kosten vor allem Steigerungen durch das EEG für Verunsicherungen. Zunehmend in den Blickpunkt treten auch die Arbeitskosten. 37 Prozent betrachten die Entwicklung in diesem Bereich mit größerer Sorge, insbesondere im Nahrungsmittelhandwerk und im Baubereich.
  • Für den Betriebserfolg ist das regionale Umfeld von großer Bedeutung. Erfreulich ist, wenn auch regional unterschiedlich, dass lediglich 14 Prozent der Befragten ihren Unternehmensstandort risikobehaftet bewertet und damit vordergründig die Arbeitsmarktsituation, die Infrastruktur und die Zusammenarbeit mit anderen Akteuren bemängeln. Allerdings bewerten 18 Prozent auch die Grenzkriminalität gefährdend, insbesondere in der Stadt Frankfurt (Oder) und im Landkreis Oder- Spree. Für mehr als jeden vierten Befragten birgt das Thema Nachwuchsgewinnung ein entscheidendes Risikopotential, vordergründig im Baubereich.

Stand: August 2014

Wirtschaftliche Lage im Handwerk

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