Die wirtschaftliche Lage im ostbrandenburgischen Handwerk zeigt sich im Frühjahr 2026 weiterhin angespannt. Zwar signalisiert der Geschäftsklimaindex mit 106 Punkten noch einen positiven Erwartungswert, eine spürbare Aufwärtsdynamik ist jedoch nicht erkennbar. Viele Betriebe bewegen sich derzeit in einem Spannungsfeld aus stabilisierenden Teilbereichen, hoher Kostenbelastung und insgesamt zurückhaltender Nachfrage.
Geschäftslage und Aufträge
Rund 78 Prozent der Betriebe in Ostbrandenburg bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als gut oder zufriedenstellend. Damit liegt die Region weiterhin über dem landesweiten Durchschnitt, verzeichnet im Vergleich zum Vorjahr jedoch einen Rückgang. Die Auftragslage bleibt verhalten: Der durchschnittliche Auftragsvorlauf ist von 10,6 Wochen im Frühjahr 2025 auf aktuell 9,3 Wochen gesunken.
Besonders im Ausbaugewerbe sowie in den Handwerken für den gewerblichen Bedarf haben sich die Auftragsbestände spürbar reduziert. Das Bauhauptgewerbe bewegt sich hingegen in etwa auf dem Niveau des Vorjahres.
Umsatz- und Kostenentwicklung
Die Umsatzentwicklung erreicht in vielen Betrieben wieder das Niveau von 2023, bleibt aber ohne nachhaltigen Aufwärtstrend. Gleichzeitig belasten weiter steigende Einkaufspreise die Betriebe erheblich. Nur wenigen Unternehmen – vor allem im Kraftfahrzeug- und Nahrungsmittelgewerbe – gelingt es, höhere Kosten vollständig über steigende Verkaufspreise auszugleichen. Der Margendruck bleibt entsprechend hoch.
Beschäftigung und Investitionen
Die Beschäftigung im ostbrandenburgischen Handwerk ist überwiegend stabil, Wachstumsimpulse bleiben jedoch aus. Viele Betriebe halten ihr Personal bewusst, trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten. Die Investitionsbereitschaft ist weiterhin schwach ausgeprägt – insbesondere im Bauhaupt-, Ausbau- und Nahrungsmittelgewerbe. Lediglich einzelne Branchen, wie das Gesundheits- oder Kraftfahrzeuggewerbe, zeigen eine etwas höhere Investitionsneigung.
Ausblick
Die Erwartungen für die kommenden Monate fallen etwas günstiger aus als die aktuelle Lageeinschätzung, bleiben insgesamt jedoch vorsichtig. Bei Umsatz, Auftragseingang und Verkaufspreisen wird mit einer leichten Stabilisierung gerechnet. Ein konjunktureller Aufschwung ist derzeit nicht absehbar, wohl aber eine seitwärts gerichtete Entwicklung mit vorsichtigen Stabilisierungstendenzen im weiteren Jahresverlauf.
Ausbildung bleibt zentral
Ein positives Signal kommt aus dem Bereich der Ausbildung: Für das Ausbildungsjahr 2026/27 wurden bislang 153 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen – fünf mehr als im Vorjahr. Insgesamt werden im Kammerbezirk Ostbrandenburg derzeit 2.332 Auszubildende in 1.011 Betrieben ausgebildet. Vor dem Hintergrund des anhaltenden Fachkräftebedarfs bleibt die duale Ausbildung ein zentraler Baustein zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit des Handwerks in der Region.
Interview mit Frank Ecker, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Frankfurt (Oder) – Region Ostbrandenburg bei Antenne Brandenburg: