SCHORNSTEINFEGERHANDWERK

Glücksbringerin als Role Model

Leonie Glück hat ihren Traumberuf gefunden. Nach einem Praktikum war sie sich sicher: Sie will anderen aufs Dach steigen – als Schornsteinfegerin.

Ja. Leonie Glück wird oft gefragt, ob sie Ihren Beruf wegen ihres Familiennamens ausgesucht habe. Ein »running Gag« sei das inzwischen, sagt sie. Die 22-Jährige erlernt das Schornsteinfegerhandwerk bei Schornsteinfegermeister Silvio Felske in Schwedt. Dass Schornsteinfeger Glück bringen, habe sie schon in ihrer Kindheit oft gehört. Aber es sei etwas ganz anderes, jetzt zu erleben, dass das mehr als Folklore ist. »Die Menschen kommen, wollen meine Kluft berühren oder mal an den goldenen Knöpfen reiben. Es ist schon schön, meistens mit einem Lächeln und einem lustigen Spruch empfangen zu werden.« Auch deshalb mache ihr die Lehre so großen Spaß.

Über Berufspraktikum ins Handwerk

Ins Handwerk zu gehen, war für Leonie eine sehr bewusste Entscheidung. Auch wenn nicht sofort klar gewesen sei, dass ihr Weg sie auf die Dächer von Schwedt und Umgebung führen würde. »Ich wollte mit Menschen zu tun haben, nicht den ganzen Tag vor einem Bildschirm sitzen«, erinnert sie sich an ihre ersten Überlegungen zur Berufswahl. Es war dann die Mutter, die sie auf eine Reportage über den Schornsteinfegerberuf aufmerksam machte und wenig später auf einen von Silvio Felske ausgeschriebenen Praktikumsplatz. Als sie bei ihm vor der Tür stand, rieb der sich erst einmal die Augen. »Das war vor sechs Jahren. Da ging Leonie noch in die neunte Klasse. Damals waren Schornsteinfegerinnen die absolute Ausnahme. Und ja«, gibt Schornsteinfegermeister Felske zu, er habe kurz gezögert. »Schon verrückt. Ich entdeckte, dass sich in mir plötzlich Vorurteile meldeten, von denen ich glaubte, dass ich sie gar nicht hätte: Sind Frauen in der Lage, unseren Beruf zu machen? Bestehen sie die körperlichen Herausforderungen? Das alles ist natürlich Unsinn.«

10 Prozent Frauenanteil, Tendenz steigend

Leonie bewies ihm das vom ersten Tag ihres Praktikums an. Bis zum Abschluss ihres Abiturs, stand sie dann auch immer wieder auch in den Sommerferien plötzlich vor der Tür von Felskes Meisterbetrieb und bat darum, mitarbeiten zu dürfen. »Ich hatte schon nach meiner ersten Praktikumswoche das Gefühl, dass ist der Beruf, den ich machen möchte«, begründet sie heute ihre Hartnäckigkeit. »Es gab bei mir und meinem Gesellen gar keine Fragen mehr, als sie sich um eine Lehrstelle bewarb«, erklärt Meister Felske. „Sie gehörte quasi schon zum Team.“ Nur 10 Prozent der Beschäftigten im Schornsteinfegerhandwerk in Deutschland sind Frauen. Dank Lehrlingen wie Leonie Glück ist er in diesem Handwerk jedoch tendenziell steigend. »Mit jeder Frau, jedem Mädchen auf einem Dach, fragen sich andere Mädchen, ob sie das nicht auch können«, meint Leonie. »Ab und an werde ich auch von Schülerinnen angesprochen und dann versuche ich natürlich, ihnen meine Begeisterung zu vermitteln. Wäre doch toll, wenn die eine oder andere sich entschlösse, auch zu versuchen, eine Glücksbringerin zu werden.« Mirko Schwanitz

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