Das Handwerk in Ostbrandenburg präsentiert sich im zweiten Halbjahr 2026 insgesamt stabil, ein nachhaltiger konjunktureller Aufschwung bleibt jedoch aus. Das geht aus dem aktuellen Konjunkturbericht der Handwerkskammer Frankfurt (Oder) – Region Ostbrandenburg hervor. Rund 85 Prozent der befragten Betriebe bewerten ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend. Gleichzeitig haben sich die Erwartungen für die kommenden Monate weiter eingetrübt. Der Geschäftsklimaindex liegt mit 106 Punkten zwar weiterhin im positiven Bereich, die Unterschiede zwischen den einzelnen Gewerbegruppen fallen jedoch erheblich aus.
„Das ostbrandenburgische Handwerk beweist auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Stabilität und Widerstandskraft. Viele Betriebe verfügen über eine solide Auftragsbasis und halten trotz der angespannten Lage an ihren Fachkräften fest. Gleichzeitig zeigt die Umfrage deutlich, dass den Unternehmen das Vertrauen in eine kurzfristige wirtschaftliche Erholung fehlt. Der ausbleibende Aufschwung und die geringe Investitionsbereitschaft sind Warnsignale, die Politik und Wirtschaft ernst nehmen müssen.“
Frank Ecker
Hauptgeschäftsführer
Handwerkskammer Frankfurt (Oder) – Region Ostbrandenburg
Der Auftragseingang hat sich gegenüber der Frühjahrsumfrage leicht verbessert. Die durchschnittliche Auftragsreichweite liegt bei 9,3 Wochen. Gleichzeitig arbeiten 74 Prozent der Betriebe mit einer Auslastung von mehr als 70 Prozent. Dennoch verharren die Umsätze nahezu unverändert leicht im negativen Bereich (Saldo −5 Punkte, Vorjahr −4 Punkte), während der anhaltend hohe Einkaufspreisdruck (69 Prozent melden gestiegene Preise) die Margen schmälert und die Kalkulation neuer Aufträge erschwert. Diese Kostenbelastung betrifft alle Gewerbegruppen gleichermaßen. Da die Verkaufspreise nicht im gleichen Maße angehoben werden können, geraten die Betriebe zwischen stagnierenden Erlösen und steigenden Kosten zunehmend unter Druck. Vor diesem Hintergrund erwartet fast jeder zweite Betrieb (49 Prozent), die Preise künftig weiter anheben zu müssen.
Besonders problematisch bleibt die Entwicklung bei den Investitionen. Die Investitionsquote ist von 35 auf 32 Prozent gesunken und für die kommenden Monate rechnen die Betriebe mehrheitlich mit weiterer Zurückhaltung.
„Die Unternehmen müssen weiterhin mit hohen Kosten, zunehmender Bürokratie und fehlender Planungssicherheit umgehen. Dass dennoch der Großteil der Betriebe seine Beschäftigten hält, zeigt die Bedeutung der Fachkräftesicherung im Handwerk. Die schwache Investitionsneigung verdeutlicht jedoch, dass Betriebe derzeit notwendige Investitionen verschieben. Hier braucht es spürbare Entlastungen und verlässliche Rahmenbedingungen, um wieder mehr in die betriebliche Entwicklung zu investieren.“
Astrid Köbsch
Geschäftsführerin und Leiterin Gewerbeförderung
Handwerkskammer Frankfurt (Oder) – Region Ostbrandenburg
Zwischen den einzelnen Gewerken zeigen sich deutliche Unterschiede. Während das Bauhauptgewerbe die stärkste Erholung verzeichnet (Geschäftslagesaldo von 0 auf +30 Punkte) und das Kfz-Gewerbe sowie die personenbezogenen Dienstleistungen vergleichsweise gute Geschäftsklimawerte aufweisen (Geschäftsklimaindex 115 bzw. 122 Punkte), steht insbesondere das Nahrungsmittelhandwerk unter starkem Druck. Dort fiel der Geschäftsklimaindex auf lediglich 78 Punkte.
Die Konjunkturumfrage bestätigt insgesamt das Bild einer wirtschaftlichen Seitwärtsbewegung. Die Betriebe bewerten ihre aktuelle Lage überwiegend noch positiv, blicken jedoch mit Zurückhaltung auf die kommenden Monate. Ohne spürbare Impulse beim Bürokratieabbau, bei den Energiepreisen sowie bei der Steuer- und Abgabenbelastung droht die Investitionslücke langfristig die Wettbewerbsfähigkeit des ostbrandenburgischen Handwerks zu beeinträchtigen.
Der vollständige Konjunkturbericht steht unter www.hwk-ff.de/konjunkturberichte zum Download bereit.