Handwerk braucht verlässliche Entlastung statt kurzfristiger Maßnahmen

Die von der Bundesregierung angekündigten Maßnahmen zur Abfederung der Inflationsfolgen stoßen im ostbrandenburgischen Handwerk auf ein geteiltes Echo. Während die kurzfristige Senkung der Mineralölsteuer ein richtiges Signal setzt, warnt die Handwerkskammer Frankfurt (Oder) – Region Ostbrandenburg eindringlich vor einer zusätzlichen Belastung der Betriebe durch den geplanten steuerfreien Krisen‑Bonus von bis zu 1.000 Euro.

Kurzfristige Spritentlastung greift zu kurz

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat angekündigt, die Mineralölsteuer für zwei Monate um rund 17 Cent pro Liter zu senken. Für viele Handwerksbetriebe im Flächenland Brandenburg ist Mobilität ein zentraler Kostenfaktor – insbesondere im Bau‑ und Ausbaugewerbe, aber auch im serviceorientierten Handwerk.

„Die Senkung der Mineralölsteuer ist grundsätzlich ein richtiges Signal“, erklärt Wolf‑Harald Krüger, Präsident der Handwerkskammer Frankfurt (Oder) – Region Ostbrandenburg. „Sie bleibt jedoch ein Strohfeuer. Unsere Betriebe sind täglich auf Fahrzeuge angewiesen. Was sie brauchen, sind dauerhaft verlässliche Energiepreise – keine Entlastung auf Zeit.“

Auch der Handwerkskammertag Land Brandenburg bewertet die Maßnahme kritisch und betont, dass kurzfristige Eingriffe keine nachhaltige Energie‑ und Standortstrategie ersetzen können.

Krisen‑Bonus wird zum faktischen Zwang

Deutlich kritischer sieht die Handwerkskammer die geplante steuer‑ und sozialabgabenfreie Entlastungsprämie von bis zu 1.000 Euro je Beschäftigtem. Was politisch als freiwillige Leistung angekündigt wird, entwickelt in der betrieblichen Praxis erheblichen Druck.

„Im verschärften Wettbewerb um Fachkräfte – insbesondere in der Baubranche – entsteht faktisch ein Zwang zur Zahlung“, so Krüger. „Viele kleinere und mittlere Betriebe können es sich nicht leisten, hinter größeren Bau‑ und Industriekonzernen zurückzustehen. Für sie ist eine solche Prämie jedoch liquiditätswirksam und in manchen Fällen existenzbedrohend.“

Das Handwerk ist personalintensiv und arbeitet oft mit engen Margen. Eine steuerliche Befreiung allein löst das Problem nicht.

Fehlende Gegenfinanzierung belastet Betriebe

Diese Einschätzung teilt auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Der Verband kritisiert, dass staatliche Entlastungen auf die Betriebe abgewälzt werden und somit den wirtschaftlichen Druck weiter erhöhen, statt ihn zu mindern. Zum Artikel des ZDH.

Dauerbelastung statt Einzelfall

Das ostbrandenburgische Handwerk steht bereits unter erheblichem Druck: steigende Energie‑ und Materialkosten, hohe bürokratische Auflagen sowie wachsende Sozialabgaben belasten die Betriebe nachhaltig.

„Solche Verteilungsvorschläge der Politik gehen einseitig zu Lasten der mittelständischen Arbeitgeber“, betont Krüger. „Statt einmaliger Boni brauchen wir dauerhafte Entlastungen bei Lohnnebenkosten, Sozialabgaben und Bürokratie sowie praxistaugliche Preisgleitklauseln.“

Auch der Handwerkskammertag Land Brandenburg fordert verlässliche Rahmenbedingungen, Planungssicherheit und eine spürbare Entlastung der Betriebe – statt kurzfristiger Einzelmaßnahmen.

Die Handwerkskammer Frankfurt (Oder) – Region Ostbrandenburg wird sich weiterhin gemeinsam mit dem ZDH und dem Handwerkskammertag Brandenburg dafür einsetzen, dass die Interessen des Handwerks in politischen Entscheidungen stärker berücksichtigt werden.

Ansprechpartner

Martin Römer

Leiter Pressestelle

Telefon:0335 5619 - 196

Telefax:0335 5619 - 279

martin.roemer@hwk-ff.de