Mirko Schwanitz I hwk-ff
Claudia Kinne arbeitete lange im Friedrichstadt-Palast. Inzwischen hat sie sich als professionelle Brautstylistin selbstständig gemacht. Gleichzeitig arbeitet sie als mobile Friseurmeisterin und Dozentin in der Berufsorientierung – und setzt bei allem auf echtes Handwerk
„Der Auslöser für meinen Beruf – oder sogar meine Berufung – war ein Film“, erzählt Claudia Kinne aus Gusow-Platkow. Der Titel: Der Grinch. „Ich fragte mich damals: Wie schaffen die es, Schauspieler so zu verwandeln? Diese Neugier weckte in mir den Wunsch, eines Tages Maskenbildnerin zu werden. Der Weg zur Maskenbildnerin führte damals über die Ausbildung zur Friseurin.“ Schon in der Lehrzeit überraschte sie ihre Ausbilderinnen. Selten erlebten sie junge Menschen mit einer solchen positiven „Verbissenheit“. „Dieser Drang zur Perfektion steckt in mir. Ich glaube, sie hatten es nicht immer leicht mit mir.“
Mit Ehrgeiz zum Traumberuf
In ihrer kleinen Werkstatt stehen mehrere Pokale. Besonders stolz ist sie auf die Auszeichnung als beste Auszubildende ihres Berliner Jahrgangs. Mit diesem Erfolg erhielt sie als junge Gesellin den ersehnten Ausbildungsplatz als Maskenbildnerin im Berliner Friedrichstadt-Palast. Es folgten arbeitsintensive Jahre. Bald verwandelte sie Tänzerinnen und Tänzer in Dämonen, Teufel oder Götter und arbeitete mit Persönlichkeiten wie dem französischen Modedesigner Thierry Mugler zusammen. „Als ich den Abschluss machte, war ich glücklich. Aber irgendwann wollte ich eine Familie und ein Kind.“ In der Glamourwelt des Revuetheaters schien ihr das kaum möglich. Hinzu kam die Routine: „Immer die gleichen Masken, immer die gleiche Show. Es wurde – wie soll ich sagen – langweilig.“ Sie zeigt auf Fotos an der Wand: Tänzer aus aller Welt und Freundinnen von damals – maskiert mit ihren Kunstwerken.
Neuanfang als freischaffende Maskenbildnerin
„Ich musste mich neu erfinden.“ Als sie das Haus ihres Vaters in Gusow erbt, ist das für sie der Startschuss in ein neues Leben. Sie baut sich eine Existenz als freischaffende Maskenbildnerin und Brautstylistin auf. „Aber ohne Meistertitel ging das nicht!“ Claudia Kinne zieht die Meisterausbildung durch. „Die Praxis war für mich nicht die Herausforderung, sondern die Betriebswirtschaft. Da musste ich wirklich büffeln. Heute bin ich dankbar, dass ich das durchgezogen habe.“ Es ärgert sie, dass sich hierzulande jeder als Make-Up-Artistin oder Hairstylistin bezeichnen darf. „Normalerweise müssten alle, die keinen Meistertitel haben, darauf hinweisen, dass ihnen nicht gestattet ist, Friseurtätigkeiten auszuführen.“ Tatsächlich schreibt der Abgrenzungsleitfaden des Handwerks eindeutig vor, dass Hochsteckfrisuren, gerade bei Bräuten, meisterpflichtig sind. Erst im April wurde dazu ein entsprechendes Urteil des Oberverwaltungsgerichts Rheinland-Pfalz bestätigt.
Enorme finanzielle Schäden
„So eine Brautfriseur beginnt ab 200 Euro. Sie setzt hohes Fachwissen und Können voraus, wenn sie mehr als 12 Stunden halten soll. Und nicht selten werden bei Hochzeiten dann Umschläge am Finanzamt vorbei überreicht. „Diese Schwarzarbeit, fügt nicht nur mir finanziellen Schaden zu, sondern auch meinen Kolleginnen und Kollegen in den Friseursalons. Mehr noch sie bringt auch die Branche der mobilen Friseure in Verruf.“ Auch als solche ist Claudia Kinne unterwegs, wenn nur dann, wenn es im Kalender „hochzeitsfreie Zeiten“ gibt. „Aber auch an solchen Tagen arbeite ich – genau wie Salons – ausschließlich mit vorher vereinbarten Terminen und GoBD-konformer Buchhaltung.“ Claudia Kinnes „Salon“ ist ihr Auto. Darin ist alles, was sie für ihre Arbeit braucht – vom Kamm bis zum Kartenlesegerät mit Bondrucker. „Nach meiner Arbeit, in die glücklichen Augen einer Kundin zu sehen, macht mich stolz. Dieser Blick lässt mich jeden Tag mit dem Gefühl nach Hause fahren, etwas Sinnvolles getan zu haben.“ Gibt es noch mehr Gründe, warum sie ihren Beruf liebt? Sie denkt kurz nach: „Weil er mir selbst Freiheit gibt. Die Freiheit, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen.“ Und diesen Hut gibt es tatsächlich: einen Jason Moore BULLHIDE, den sie bei nahezu jeder Gelegenheit trägt. Längst ist er zu ihrem Markenzeichen geworden.

Claudia Kinne
Mobile Friseurmeisterin und
Brautstylistin
Alte Zuckerfabrik 10
15306 Gusow-Platkow
T. 03346 8769776
15306 Gusow-Platkow