Interview mit Ludwig Benz - Bundesieger bei den Deutschen Meisterschaften im Zimmererhandwerk 2025

Wie ich deutscher Meister im Zimmererhandwerk wurde

Ludwig Benz kommt aus einer Akademikerfamilie. Schon in der Schule absolviert er Praktika, unter anderem in einem Forstbetrieb. Doch wie viele stand er am Ende der Schulzeit vor tausenden Möglichkeiten. Ohne das Corona-Virus wäre auch er wohl Akademiker geworden – doch es kam anders.

DHB: Ludwig, wie fühlt es sich Bundessieger bei den Deutschen Meisterschaften der Zimmerer geworden zu sein?
Ludwig Benz: Wunderbar. Aber es ist auch schön, dass die Aufmerksamkeit langsam wieder abflaut und ich mich wieder auf meine Arbeit konzentrieren kann. Aber klar, ich bin schon stolz auf das, was ich bei den Meisterschaften erreicht habe.
DHB: Was ist Dir von den Tagen des Wettkampfs am lebhaftesten in Erinnerung?
Ludwig Benz: Die tolle Stimmung. Das Lampenfieber. Der Schweiß. Aber auch das Miteinander aller Teilnehmer. Und die Konzentration, die es, angesichts der vielen Besucher der Meisterschaften, brauchte. So eine Anerkennung für das Handwerk – für mein Handwerk – habe ich bis dahin nicht erlebt. Das wirkt immer noch nach. Es ist Ansporn, weiterzumachen.
DHB: Wolltest Du immer Zimmerer werden?
Ludwig Benz: Nein. Ich bin das jüngste von fünf Geschwisterkindern. Alle anderen haben studiert. Also meinte ich, um mithalten zu können, müsse ich das auch. Ich habe dann in Eberswalde ein Studium begonnen: „Management von internationalen Ökosystemen“
DHB: Was ist daraus geworden?
Ludwig Benz: Corona. Keine Präsenzveranstaltungen. Aber studieren im stillen Kämmerlein kam für mich nicht in Frage. Ich habe dann Praktika gemacht, Brot gebacken, auf dem Bau gearbeitet, Bäume gefällt. Bis ich bei einem Zimmerer landete. Und plötzlich wusste. Das ist es.
DHB: Und – wie war der Start?
Ludwig Benz: Es wird ja gejammert, dass es zu wenige Fachkräfte gibt. Also habe ich mich frohgemut ans Telefon gesetzt. Am Ende hatte ich 40 Zimmereibetriebe angerufen, um mich zu bewerben. Nur zwei haben überhaupt ausgebildet. Ich habe dann bei Eike Radczek von der Radfor GmbH einen Monat Probe gearbeitet. Er hat mich genommen. Für mich war das ein Volltreffer. Zuschnitt, Kopfbänder, Zapfenverbindungen – hier ist alles noch Handarbeit. Ich konnte von einem wahren Meister lernen.
DHB: Wie hast Du Dich auf die Meisterschaften vorbereitet?
Ludwig Benz: Ich habe schon für die Landesmeisterschaften viel trainiert. Freigestellt wurde ich dafür nicht, trainierte nach der Arbeit zuhause. Vielleicht wollte mein Meister nur sehen, ob ich bereit bin, mehr als üblich in die eigene Ausbildung zu investieren.
DHB: Wie hat Dein Ausbildungsbetrieb reagiert, als Du mit dem Landessieg in der Tasche zur Arbeit kamst und sagtest: So und jetzt die Deutschen Meisterschaften!
Ludwig Benz (lacht): Die haben alles getan, dass ich schön auf dem Teppich bleibe. Zum einwöchigen Vorbereitungstraining in Kassel wurde ich dann aber selbstverständlich freigestellt. Da traf ich auf alle deutschen Landessieger. Ich war hypernervös. Aber wir Handwerker sind eine Gemeinschaft, haben uns alle gegenseitig angespornt und geholfen.

DHB: Was waren die Aufgaben?
Ludwig Benz: Ein Treppenpodest an einer Fachwerkwand, eine ungleich geneigte Ecke eines Dachstuhls mit unterschiedlichen Traufpunkten und eine Gaube mit steigendem First. Ich hatte das Gefühl, jeder in der Halle könne die Zahnräder in meinem Kopf rattern hören. Dazu kam der Lärm in der Halle, die vielen Schulklassen, die uns beim Wettkampf zuschauten.
DHB: Hast Du geahnt, wie gut Du im Rennen liegst?
Ludwig Benz: Irgendwann gab es von den Mitkonkurrenten plötzlich Zurufe: Ludwig, du rockst das Ding, Da wurde ich etwas ruhiger. Aber das ich siegen würde – nein, das hätte ich niemals gedacht. Am Ende stellte sich heraus, dass ich einer der wenigen war, die wirklich alles fertig gebaut haben.
DHB: Was, glaubst Du, war das Geheimnis Deines Erfolgs?
Ludwig Benz: Schwer zu sagen. Ich denke, Alter und Erfahrung spielen schon eine Rolle. Die anderen Teilnehmer waren jünger als ich und hatten weniger Praxiserfahrung. Mit Sicherheit aber hatte ich auch sehr gute Ausbilder. Das empfinde ich als großes Glück. Schon während meiner Ausbildung merkte ich: Zwischen den Ausbildungsbetrieben gibt zum Teil erhebliche Unterschiede.

DHB: Wie findet man einen guten Ausbildungsbetrieb?
Ludwig Benz: Es ist wichtig, sich umzuhören, auch Probe zu arbeiten, mal ein Praktikum zu machen. Wichtig ist, auf die Vielseitigkeit zu achten und ob man das Gefühl bekommt, hier sind Menschen, die wollen mir etwas beibringen. Die wollen, dass ich mich hier bewerbe. Mancher Lehrling besteht die Gesellenprüfung nicht, weil er in seinem Betrieb immer nur das gleiche machen muss, etwa tagaus, tagein Türen und Fenster einbauen.
DHB: Wie hat Ihr Lehrmeister auf die Goldmedaille reagiert?
Ludwig Benz: Ich glaube schon, dass er sehr stolz war. Aber er sagte auch klipp und klar: Das hast du dir selbst verdient! Das ist deine Leistung!
DHB: Was sind die nächsten Pläne?
Ludwig Benz: Ich werde zuhause alle Möbel selbst tischlern. Das ist eine Herausforderung. Aber so kann ich kreativ sein. Ich habe viele Ideen.
DHB: Wie geht es jetzt weiter?
Ludwig Benz: Leider bin ich für die Nationalmannschaft schon zu alt, kann also nicht zu den Euroskills oder Weltmeisterschaften, was mich gereizt hätte. Jetzt möchte ich erst einmal Praxiserfahrungen sammeln, den Meister machen – und dann hier im Betrieb vielleicht die Nachfolge antreten und selbst ausbilden. Interview: Mirko Schwanitz

 

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