Mirko Schwanitz I hwk-ff
Als der Gründer der Eric Blok Tief- und Straßenbau GmbH verstarb, sollte die Firma verkauft werden. Mitarbeiter Marcel Weber fasste sich ein Herz und übernahm. Für diesen Mut erhielt er in diesem Jahr den Sonderpreis Nachfolge beim Gründerpreis Barnim-Uckermark.
DHB: Herr Weber, können Sie uns die Firma Eric Blok kurz vorstellen?
Marcel Weber: Wir sind eine klassische Tief- und Straßenbaufirma. Seit 2014 übernimmt sie bei Bauvorhaben auch die Gestaltung kompletter Außenanlagen. Sie hat sich bisher kaum an öffentlichen Ausschreibungen beteiligt. Das soll sich unter meiner Führung ändern.
DHB: Waren Sie auf die Übernahme der Firma vorbereitet?
Marcel Weber: Der Firmengründer verstarb unerwartet. Seine Frau, Frau Woelk, Bauingenieurin, verantwortlich für die Buchführung und mit Generalvollmacht ausgestattet, führte den Betrieb professionell weiter. Sie wollte aber die Verantwortung aus Altersgründen schnell abgeben. Also wurden Käufer gesucht.
DHB: Haben Sie sofort Ihren Hut in den Ring geworfen?
Marcel Weber: Nein. Aber ich hatte bei einigen Interessenten das Gefühl, dass es ihnen nicht um den Fortbestand der Firma und die Weiterbeschäftigung der Mitarbeiter ging. Und irgendwann kam die Idee auf: Warum es nicht selbst versuchen?
DHB: Hatte Eric Blok sich nicht früh genug um seine Nachfolge gekümmert?
Marcel Weber: Erik Blok stammte aus einer Baudynastie in Rotterdam und war im positiven Sinne ein Firmenpatriarch alter Schule. Ich glaube, ihm fiel es schwer, sein Lebenswerk loszulassen. Er kam in den 1990er Jahren im Auftrag einer westdeutschen Baufirma nach Joachimsthal, machte sich hier aber schnell selbstständig. Ihm war klar, dass das Baugewerbe am Aufbau Ost profitieren würde. Einige Zeit vor seinem Tod kaufte er den Rest des bis dahin nur gepachteten Firmengeländes und sagte: Das ist für Euch! Und das war das einzige, das ich je von ihm zum Thema gehört hatte.
Bauprojekte in Afrika, Skandinavien und England
DHB: Wie war Ihr Werdegang?
Marcel Weber: Ich kam 1998 als junger Bauingenieur und Kalkulator in die Firma, die damals 40 Mitarbeiter hatte. Witzig: Als ich noch im Kindergarten war, hatten wir eine Patenbrigade aus dem Verkehrs- und Tiefbaukombinat Ost (VTK) und später, während meiner Schulzeit, hatte ich dort Unterricht in der Produktion. UTP, so hieß das Fach damals. Und wahrscheinlich hat das viel damit zu tun, dass ich mich später für ein Bauingenieursstudium an der TU Dresden entschied.
DHB: Sie waren 1995 mit dem Studium fertig. Das war das Jahr, in dem das Programm „Aufbau Ost“ beendet wurde und zu einem dramatischen Einbruch in der Baubranche führte.
Marcel Weber: Stimmt. Es war nach dem Studium schwer, einen Job zu finden. Die Hälfte meiner Kommilitonen ging damals in den Westen, ich kehrte zurück und landete bald bei Eric Blok. Alles, was ich heute kann, lernte ich bei ihm. Wir profitierten damals von Erics Netzwerken. Als ich hier begann, bauten wir Supermärkte in ganz Deutschland, realisierten ab 2002 aber auch Bauprojekte in Afrika, Polen, Schweden, England oder Irland.
DHB: Das wäre heute ein Problem. Niemand will mehr auf Montage …
Marcel Weber: Es waren andere Zeiten: Die Arbeitskräfte standen Schlange, Arbeitsverträge waren befristet, Widerrede war nicht gern gesehen. Die Arbeitstage waren lang. Ich sage über diese Zeit: Ich habe halbtags gearbeitet – von sechs bis sechs. Eric war ein harter Lehrmeister, der von seinen Leuten viel forderte.
DHB: Sie haben die Firma aber dann für viele Jahre verlassen. Warum?
Marcel Weber: Das stimmt. Und zwar für mehr als zehn Jahre und aus mehreren Gründen. Der Wichtigste: Ich wollte noch einmal über den Tellerrand schauen und anderswo Erfahrungen sammeln. Und – so ehrlich muss man sein – ich hatte eine Familie gegründet und habe drei Kinder. Da waren Arbeitszeiten von sechs bis sechs nicht gerade förderlich. Ich habe dann im GaLa-, auch im Sanierungsbau gearbeitet.
DHB: Wie reagierte Ihr alter Arbeitgeber auf den Weggang?
Marcel Weber: Niemand freut sich, wenn eine versierte Arbeitskraft, in die man viel Know-how investiert hat, geht. So war das auch bei Eric Blok. Als seine Frau mich allerdings 2020 anrief und fragte, ob ich nicht zurückkommen könne, war er froh über das Wissen, das ich mitbrachte.

Marcel Weber freut sich über den Sonderpreis. „Schön, wenn Mut zur Übernahme Aufmerksamkeit erhält. Das Geld spende ich – vielleicht für eine Maßnahme zur Berufsorientierung.“
Wir sind Universalisten. Das bringt Probleme mit sich.
DHB: Ihr Neustart bei der Firma erfolgte mitten in die Corona-Krise hinein?
Marcel Weber: Wenn mir Eric Blok etwas beigebracht hat, dann dass die Entwicklung in der Baubranche antizyklisch verläuft. Er hatte recht, denn mit der Pandemie begannen wider Erwarten die besten Jahre der Firmengeschichte – mit großen Bauprojekten.
DHB: Wie sind Sie die Übernahme angegangen?
Marcel Weber: Ich habe natürlich zuerst mit meiner Familie gesprochen. Mit 54 ? ein solches Wagnis einzugehen, da müssen sich alle bewusst sein, was das bedeutet. Dann bin ich zu Erics Ehefrau und fragte sie, ob Sie sich vorstellen könnte, mir die Firma zu verkaufen. Sie schien sehr erleichtert. Natürlich habe ich mir einen guten Unternehmensberater an die Seite geholt. Auch gute Kontakte zur Barnimer Sparkasse waren von Vorteil. Das war seit jeher die „Haus- und Hofbank“ des Unternehmens. Die kannten alle Zahlen, die Auftragslage und das Potential. Dieses Vertrauen war sicher der Hauptgrund, dass die Übernahme in einer Rekordzeit von rund acht Monaten abgewickelt werden konnte.
DHB: So eine Zeit der Ungewissheit, ist auch eine Zeit, wo Arbeitnehmer sich lieber eine sicherere Arbeitsstelle suchen?
Marcel Weber: Hier wurde eine Schwäche des Unternehmens zur Stärke – der recht hohe Altersdurchschnitt. Die Leute bewahrten die Ruhe. Klar sieht es so aus, als könne man heutzutage schnell einen neuen Job finden, Leute werden überall gesucht. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Menschen über 50 trotz ihrer Berufserfahrung die Erfahrung machen, keinen Job zu bekommen – und dass, obwohl sie doch noch 17 Jahre bis zum Pensionsalter arbeiten sollen. Also nein, keiner der derzeit 30 Mitarbeiter verließ das Unternehmen.
DHB: Was zeichnet Ihre Firma aus?
Marcel Weber: Wir sind Universalisten. Vorbereitungen für den Hochbau, Trinkwassererschließung für Wasserbetriebe, Außenflächengestaltung von den Pflasterarbeiten bis zu kompletten Grünanlagen. Das bringt zwar auch Probleme mit sich. Man muss immer qualifiziertes Personal aus den unterschiedlichsten Gewerken haben. Und genau das zeichnet uns aus. Da haben wir ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal.
DHB: Der Ukraine-Krieg hat die Branche getroffen. Jetzt verschärft der Krieg im Iran die Situation. Baustoffe auf Erdölbasis, Energie, Kraftstoffe – alles wird teurer. Wie stark ist Ihre Firma davon betroffen?
Marcel Weber: 2022 kam auch bei uns ein Einbruch. Das Problem ist, dass wir die Bauvorbereiter für viele große Hochbaufirmen sind. Zu dieser Zeit waren wir dort sehr engagiert und nur wenig auf anderen Gebieten unterwegs. Das ist eine Erfahrung, die ich sicher mitnehmen werde – eine bessere Auftragsbalance finden. Aber nicht immer ist das so einfach möglich.
DHB: Wie beurteilen Sie das jüngste Reformpaket der Bundesregierung?
Marcel Weber: Grundsätzlich glaube ich, dass wir uns abgewöhnen müssen, alles in diesem Land schlecht zu reden. Eine Regierung muss ins Risiko gehen und unpopuläre Entscheidungen treffen. Sie kann die Mathematik nicht außer Kraft setzen. Auch wenn bestimmte politische Akteure glauben, dass das möglich ist. Als Unternehmer schaue ich mir an, welche Folgen haben Reformen für mein Unternehmen. Unterm Strich steht da im Moment: mehr, statt weniger Bürokratie, nicht weniger, sondern mehr Lohnnebenkosten.

Marcel Weber vor drei Baggern auf dem Betriebsgelände seiner Firma
Die Weitergabe von Fachwissen wird Deutschlands Problem
DHB: Gibt es etwas, das Sie genauso machen wollen, wie Ihr Vorgänger?
Marcel Weber: Das ist genau das, was ich soeben meinte. In den guten Zeiten für die schlechten Zeiten vorsorgen. Dafür braucht es das richtige Gespür. Wann ist der Höhepunkt eines Aufschwungs erreicht? Wann muss man sich auf das nächste Tal vorbereiten? Und wie? Das hat mir Erik Blok beigebracht.
DHB: Was wollen Sie anders machen als Ihr Vorgänger?
Marcel Weber (lacht): Mich rechtzeitig um die eigene Nachfolge kümmern. Nein, im Ernst: eines meiner wichtigsten Ziele ist es, wieder in die Ausbildung zu investieren. Mein Vorgänger hatte damit 2010 aufgehört, weil wir die Defizite, mit denen die Bewerber aus dem deutschen Bildungssystem zu uns kamen, nicht mehr aufzufangen konnten. Ich denke nun über geeignete Kooperationen mit Schulen nach, will Praktikums- und Plätze für Ferienjobs bereitstellen. Das ist eine meiner größten Sorgen: Wohin entwickelt sich die Bauwirtschaft ohne den entsprechenden Nachwuchs?
DHB: Was treibt Sie da am meisten um?
Marcel Weber: Die Weitergabe von Erfahrungen. Alt und Jung arbeiten nicht mehr zusammen. Der Altersdurchschnitt in vielen Firmen ist viel zu hoch. Es findet bereits jetzt keine Vermittlung von Fachwissen und Können mehr statt. Das wird uns eines Tages richtig auf die Füße fallen.
DHB: Wie kann man das ändern?
Marcel Weber: Jedenfalls nicht mit Geld. Eher mit einer Reform. Dem Erlernen und der Anwendung praktischer Fähigkeiten muss mindestens die gleiche Aufmerksamkeit gewidmet werden, wie dem Erlernen digitaler Fähigkeiten.
DHB: Wie kann man das hinbekommen?
Marcel Weber: Ich bin da ganz bei denen, die nach Formen suchen, das Kinder und Jugendlichen überhaupt mal wieder mit Arbeit im klassischen Sinne in Berührung kommen. Von der Apfel- und Möhrenernte auf einem Feld bis zum Zusammenschrauben von – meinetwegen – Schaltschränken oder was auch immer. Nicht jede Schule braucht Tablets. Aber jede Schule braucht heute Werkstätten, um die Kreativität der Kinder herauszufordern. Das setzt natürlich die Bereitschaft der älteren Generation, etwa von pensionierten Praktikern voraus, an dieser gesellschaftlichen Aufgabe teilzuhaben, vielleicht Arbeitsgemeinschaften zu leiten oder ähnliches. Alle sind da gefordert.
DHB: Noch sehen viele Gymnasien ihre Aufgabe darin, ihre Schüler auf das Studium vorzubereiten …
Marcel Weber: Das war ja auch ihre ursprüngliche Aufgabe. Das Problem ist, dass Schüler heute mit Notendurchschnitten auf ein Gymnasium kommen, mit denen früher ein Wechsel ganz und gar unmöglich gewesen wäre. Im Bildungssystem muss wieder das Leistungsprinzip eingeführt werden – koste es, was es wolle. Wenn sich hier nichts ändert, wird das zu sehr großen Problemen in unserer Gesellschaft führen. Denn die daraus folgt automatisch eine weitere gesellschaftliche Fehlentwicklung: Die viel zu hohe Zahl an Studenten und der Studienabbrüche. Zu viele Kopfwissenschaften, zu wenig Bereitschaft und Freude an der Arbeit, insbesondere körperlicher Arbeit.
DHB: Was beobachten Sie?
Marcel Weber: Aus meiner Sicht offenbart sich in der aktuellen Überbetonung des Digitalen in unserer Gesellschaft, eine Diskriminierung, mindestens aber eine mangelnde Wertschätzung handwerklicher Tätigkeiten. Und natürlich absolute Unwissenheit darüber, wie modern Handwerk bereits heute ist.
„Am Ende sollen es immer die Kleinen richten“
DHB: Dennoch sind sie Optimist …
Marcel Weber: Ja. Denn ich erkenne eine Trendwende. Nicht nur bei meinen eigenen Söhnen. Ich höre es auch aus meiner Belegschaft und von anderen Kollegen, dass sich die Kinder wieder mehr für praktische Berufe interessieren. Daran will ich anknüpfen Ich habe Fachkräfte, die ausbilden dürfen und dieses Potential will ich nutzen. Wir haben bereits wieder an einer Ausbildungsmesse teilgenommen.
DHB: Und? Ihre Einschätzung?
Marcel Weber: Man muss Geduld haben. Die Messe war gut organisiert. Der Zuspruch vor Ort war hoch. Bewerbungen oder nachfolgende Kontakte? Null. Am Gehalt kann es nicht liegen. Wir können mit den Gehältern bei Finanzämtern oder dem Zoll, um nur zwei Beispiele zu nennen, schon konkurrieren. Aber die sogenannten sozialen Medienverzerren auch das Bild von eigenem Vermögen und Anspruchsdenken. Vielleicht dürfen wir nicht warten, bis die Interessenten sich selbst melden. Die Zeiten haben sich geändert. Vielleicht müssen wir auch Wege finden, selbst noch einmal Kontakt aufzunehmen? Da bin ich noch im eigenen Findungsprozess. Tatsache ist, dass wir schauen müssen, wie wir, also meine Firma, aber auch das Handwerk insgesamt, das eigene Image verbessert.
DHB: Was wollen Sie konkret tun?
Marcel Weber: Der Auftritt des Unternehmens muss wesentlich moderner werden – und zwar vom Webauftritt über das Logo bis hin zu Social-Media-Kanälen. Ich muss mich aber auch in der Kommune besser vernetzen.
DHB: Um sich mehr an öffentlichen Ausschreibungen zu beteiligen?
Marcel Weber: Ich will die Firma bekannter machen. Ja, auch im Bereich öffentliche Ausschreibungen, will ich mehr tun. Vom Sondervermögen kommt aber nicht viel bei den Kommunen an. Und da ihre Finanzlage so schlecht ist wie nie, erwarte ich von dort keine großen Auftragsvolumen. Was das Sondervermögen betrifft, sind wir eher in der Position der Feuerwehr: Wenn die großen Auftragnehmer ihre Termine nicht halten können, dann ruft man plötzlich die Kleinen zur Hilfe. Die sollen es dann richten.
Eric Blok
Tief- und Straßenbau GmbH
Lichterfelder Bruch 1
16244 Schorfheide OT Lichterfelde
T. 03334 20360
weber@blok.de
www.blok.de
