Mirko Schwanitz I hwk-ff
Ein halbes Jahrhundert ist die Firma Peter Raedel aus Petershagen eine gefragte Adresse für Bike-Liebhaber. Jawa, MZ, Simson, Suzuki, Honda oder Harley-Davidson sind im Motorradcenter Raedel mehr als nur in guten Händen.
von Mirko Schwanitz_
Auf dem Bock steht eine silberne „Harley“. Peter Raedel junior und sein Bruder Thomas machen sich am Motor zu schaffen. „Das gute Stück hat einen Schluckauf“, lacht Thomas. Firmengründer Peter Raedel senior schaut seinen Söhnen zu und strahlt Zufriedenheit aus. „Kann ja nicht jeder sagen, dass gleich beide Söhne das Faible des Vaters teilen“, sagt er. „Und noch weniger wahrscheinlich ist es, dass sie dann noch die Firma weiterführen.“ Seit 50 Jahren ist Peter Raedel Motorradexperte und selbstständig. Als er zur Einsegnung eine DKW, Baujahr 1938, geschenkt bekam, war es um ihn geschehen.
„Der Raedel kriegt alles repariert“

1958 machte er seinen Gesellenbrief. Danach arbeitete er in einer Berliner Motorradwerkstatt. 1962 wechselte er in eine Petershagener Autowerkstatt. „Aber der Traum, mein eigener Herr zu sein, ließ mich nicht los.“ Dafür musste er die Meisterprüfung machen. Der Haken: „Ich hatte die Schule mit der 8. Klasse beendet, weil ich schnell eigenes Geld verdienen wollte. Also holte ich auf der Abendschule die benötigten Schuljahre nach und begann die Meisterschule neben dem Beruf. 1968 hielt ich dann den ersehnten Meisterbrief in meinen Händen.“ Einige Jahre später bekam Peter Raedel die Anfrage von einem staatlichen Kfz-Betrieb, ob er die ausgelagerte MZ-Motorradreparatur übernehmen wolle. Ein solches Angebot bekam in der DDR nicht jeder. Mit Gewerbegenehmigung, MZ-Vertrag und vielen Vorbereitungen starteten er und Ehefrau Doris 1976 in einem kleinen Werkstattgebäude auf dem eigenen Grundstück. Schnell sprach sich herum: Der Raedel kann was! Irgendwie schaffte er es auch immer, ein paar der in der DDR raren Ersatzteile aufzutreiben. Wenn es nottat, wurden sie auch schon mal selbst gebaut. Mit dieser Kreativität wuchsen auch seine neugierigen Söhne heran, die sich nach der Schule oft in der Werkstatt „herumtrieben“ und früh mithalfen. „Für Thomas gab es nie einen anderen Berufswunsch. Peter studierte Betriebswirtschaft und stieg nach der Wende in den Betrieb ein.“
Ein halbes Jahrhundert Berufserfahrung
Die Wende war für den Betrieb ein Segen. Was folgte, war ein Vertrag mit Suzuki. In Fredersdorf wurde ein Ladengeschäft eröffnet. Nun wurde nicht nur repariert, sondern auch mit Motorradteilen und Motorrädern gehandelt. Das Motorradcenter Peter Raedel wurde schnell zu einer Institution. Und Thomas Raedel junior sorgte mit kreativen Motorradumbauten für Aufsehen auf Messen, bekam dafür Auszeichnungen und auch Anfragen von Kunden aus dem Ausland.

„Mit dem Euro wurde das Geschäft schwieriger. Suzuki verlagerte das Handelsgeschäft an eine Bank. Die senkte die Margen, erhöhte aber die Auflagen“, erinnert sich Peter Raedel an die schwierigsten Jahre. „Wir schlossen die Filiale in Fredersdorf und feilten fortan an unserem Ruf als freie Werkstatt, die für jedes Problem eine Lösung hat. Und das haben wir nicht nur durch Weiterbildung und technisches Know-how, sondern auch, weil Vater ein halbes Jahrhundert Berufserfahrung hat. Der kommt auf Lösungen, da staunen wir nur!“ Peter Raedel senior schmunzelt, hört das Lob des Sohnes aber gern. Er hat selbst großen Respekt vor der Arbeit seiner beiden Söhne. „Motorräder sind in Deutschland keine Frage der Mobilität, wie etwa in vielen asiatischen Ländern, sondern ein Hobby“, sagt Thomas. „In Krisenzeiten wird am Hobby zuerst gespart. Die EU-Politik, neue Richtlinien und staatliche Auflagen machen uns zusätzlich das Leben schwer. Ein Ölwechsel kostet heute viermal so viel wie noch vor fünf Jahren. Warum? Nicht, weil wir zulangen, sondern weil Rohstoffpreise, Ersatzteile, Entsorgung, Bestimmungen und Umweltauflagen alles extrem teuer machen. Und das sind längst noch nicht alle Faktoren“. Dennoch wollen beide Söhne weitermachen, bis auch sie irgendwann in Rente gehen. „Einen Nachfolger wird es wohl nicht geben. Unsere Kinder gehen andere Wege …“
