Konjunkturberichte


Das Ostbrandenburger Handwerk  im Herbst 2020

Im Bezirk der Handwerkskammer Frankfurt (Oder) – Region Ostbrandenburg werden halbjährlich Konjunkturumfragen durchgeführt. Dazu befragt die Handwerkskammer über 2.300 repräsentativ ausgewählte Handwerksbetriebe mittels eines Fragebogens zu ihrer Einschätzung der aktuellen und zukünftigen wirtschaftlichen Lage.

Die Umfrageergebnisse werden jeweils in einem repräsentativen Bericht dokumentiert und grafisch anschaulich aufbereitet.

Handwerk gesamt

Zusammenfassung

Geschäftslage: Das Ostbrandenburger Handwerk bleibt nicht vom Konjunktureinbruch verschont. Insgesamt meldeten die Betriebe nach dem Corona-Lockdown noch eine positive Geschäftslage, die sich im Vergleich zum Vorjahr allerdings erheblich verschlechterte. Mit 54 % gab es deutlich weniger gute Geschäftslagenbeurteilungen als im Herbst des Vorjahres; damals waren es 73 %. Mit ihrer Geschäftslage unzufrieden waren nach 3 % im Vorjahr aktuell 8 % der Betriebe. Der Geschäftslageindikator als Saldo zwischen positiven und negativen Bewertungen hat sich auffällig in allen Gewerkegruppen verschlechtert, besonders in den durch den Lockdown betroffenen Personenbezogenen Dienstleistungs- und Gesundheitsgewerben.
Erwartungen: Der Ausblick für die nächsten Monate ist weiterhin eingetrübt.  Am optimistischsten sind die Gesundheitsgewerbe. Der Bausektor blickt verhalten auf die Winterperiode. Die Handwerklichen Zulieferer erwarten insgesamt eine ausgeglichene Geschäftsentwicklung.

Beschäftigungsentwicklung: Der Konjunktureinbruch stoppte den Beschäftigungsaufbau der Vorjahre. Bei 11 % der Betriebe vergrößerten sich die Belegschaften im Berichtszeitraum, bei 12 % verkleinerten sie sich. Positiv war die Beschäftigungsentwicklung in den Bauhauptgewerken (Beschäftigungsindikator: plus 4 Punkte) sowie in den Gesundheitshandwerken (Beschäftigungsindikator: plus 17 Punkte). Für die übrigen Gewerkegruppen zeigten die Indikatoren eine gleichbleibende Beschäftigung bzw. einen Beschäftigungsabbau an, der im Kfz-Gewerbe per Saldo am höchsten ausfiel (Indikatorwert: minus 29 Punkte.
Erwartungen:  Im aktuell nur schwer prognostizierbaren Konjunkturumfeld fallen die Beschäftigungspläne vorsichtig positiv aus. Deutlich zulegen wollen die Nahrungsmittel- und die Gesundheitsgewerbe. Ein leichtes Plus erwarten die Ausbaugewerbe und die Handwerklichen Zulieferer. Die Kfz-Betriebe bleiben weiterhin pessimistisch und rechnen nicht mit zusätzlichem Personal.

Auftragslage: Der Auftragsvorlauf der Gesamtstichprobe bewegt sich mit durchschnittlich 11,9 Wochen etwa auf Vorjahresniveau. Um 10 Wochen ging allerdings der Auftragsbestand im Kfz-Gewerbe zurück, bei den Nahrungsmittelbetrieben um 4 Wochen.  Die Lockdown-Maßnahmen wirken sich sichtbar auf den Auftragseingang der Handwerksbetriebe in fast allen Gewerken aus. Per Saldo bewegten sich lediglich die Ausbau- und die Nahrungsmittelgewerbe deutlich im Plus. Besonders deutliche Einbrüche gegenüber der Vorjahresbeurteilung mussten die Handwerklichen Zulieferer, die Personenbezogenen Dienstleister, aber auch das Bauhauptgewerbe hinnehmen.
Erwartungen: Durch die Konjunktureintrübung fällt die Beurteilung der zukünftigen Auftragslage verhaltend aus. Immerhin 69 % rechnen mit gleichbleibenden Aufträgen in den nächsten Monaten. Mit sinkenden Absatzzahlen, geringer ausgelasteten Werkstätten und sinkende Erlöse im Zubehörgeschäft rechnet das Kraftfahrzeuggewerbe.

Betriebsauslastung: Die abschwächende Handwerkskonjunktur hat Auswirkungen auf die Auslastung der betrieblichen Kapazitäten. Insgesamt war die mehr als 70 prozentige Auslastung fast allen Gruppen weniger gut als im Vorjahr, nur die Nahrungsmittelbetriebe und die Gesundheitsgewerbe konnten zulegen. Im Gesamthandwerk erreichte diese im Durchschnitt noch 74 %, 8,5 Punkte weniger als im Vorjahr. Trotz zu registrierender Rückgänge bleiben die Betriebskapazitäten in den Baugewerken gut ausgelastet. Starke Auslastungseinbrüche von 10 Prozentpunkten und mehr gab es in dennoch in den Ausbaugewerken, bei den Handwerklichen Zulieferern, dem Kfz-Gewerbe und bei den Personenbezogenen Dienstleistern. Insbesondere im Landkreis Barnim verschlechterte sich die mehr als 70 prozentige Auslastung gegenüber dem Vorjahr um 24 Punkte auf 65 %.  Eine schlechte, d.h. bis zu 50-prozentige Auslastung meldeten 9 % der Betriebe (Vorjahr: 6 %). Hiervon waren die Personenbezogenen Dienstleister mit 33 % am stärksten betroffen.

Umsatzentwicklung:  Die Betriebsinhaber meldeten für das Gesamthandwerk für den Berichtszeitraum per Saldo einen Umsatzrückgang von 4 Punkten: 21  % berichteten von gestiegenen, 24 % von gesunkenen Umsätzen. Einzig für die Ausbaubetriebe und die Nahrungsmittelbetriebe lag der Umsatzindikator, der Saldo aus Positiv- und Negativmeldungen zur Umsatzentwicklung, mit 12 bzw. 8 Punkten im Wachstumsbereich. Für die übrigen Handwerksbranchen zeigte er meist deutliche Umsatzeinbußen an. Ganz besonders ausgeprägt waren diese bei den Handwerken für den gewerblichen Bedarf, die den Rückgang der Nachfrage nach handwerklichen Zulieferer- und Vorleistungserzeugnissen aus der Industrie spürten (Indikatorwert: minus 21 Punkte), den persönlichen Dienstleistungsgewerken (minus 21 Punkte) und den Gesundheitshandwerken (minus 25 Punkte).
Erwartungen: Die Umsatzerwartungen sind im Bauhaupt-gewerbe, bei den  Handwerklichen Zulieferern und besonders deutlich im Kraftfahrzeuggewerbe rückläufig. Von gleichbleibenden Umsätzen gehen 59 % aller Betriebe aus (Vorjahr: 69 %).

Preisentwicklung:
Einkaufspreise:
 Die Entwicklung der Einkaufspreise veränderte sich im Vor-jahresvergleich nicht wesentlich. Mit 57 % fand erneut die Mehrzahl der Betriebe stabile Einkaufspreise vor. Allerdings berichteten 42 % der Befragten von Preissteigerungen. Jeder zweite Betrieb der Handwerklichen Zulieferer war von Preisanstiegen betroffen. In allen anderen Gruppen fiel die Preisdynamik moderater aus, allerdings immer im zweistelligen Prozentbereich. Gegenüber dem Vorjahr verzeichneten die Handwerklichen Zulieferer, die Kfz-und Gesundheitsgewerke und die Personenbezogenen Dienstleister die höchsten Preisanstiege im Einkauf.
Erwartungen: Mehr als jedes zweite Unternehmen rechnet im Durchschnitt auch in den Folgemonaten mit weiter steigenden Preisen im Einkauf. Lediglich bei den Nahrungsmittelhandwerkern, also den Bäckern, Fleischern oder Konditoren, wird der Preisdruck im Einkauf weniger deutlich ausfallen.
Verkaufspreise: Bei der Preisentwicklung im Verkauf wurde in den zurückliegenden Monaten erneut auf Preisstabilität gesetzt. 70 % ließen ihre Leistungspreise unverändert. Preiserhöhungen am Markt wurden von 22 % der Betriebe realisiert, annähernd auf dem Vorjahresniveau. Einzige Ausnahme waren die Gesundheitsbetriebe, hier wurden keinerlei Preiserhöhungen gemeldet. Besonders fallen die Preissteigerungen der Zulieferbetriebe ins Auge, die sich aus gestiegenen Beschaffungskosten ableiten lassen.
Erwartungen:  In den kommenden Monaten beabsichtigen 31 % der Betriebe höhere Absatzpreise zu erzielen. Den moderatesten Anstieg schätzt das Kfz-Gewerbe ein, gefolgt von den Gesundheitshandwerken.

Investitionstätigkeit: Die Investitionsbereitschaft im Handwerk ist unter dem Eindruck der Pandemie weiter gefallen. Aktuell planen demnach nur 15 % der Betriebe ein Investitionsvorhaben. Der Investitionsklimaindex als Saldo zwischen gestiegenen und gesunkenen Investitionsausgaben sank damit von minus 3 im Vorjahr auf aktuell minus 13. Einzig aus den Nahrungsmittelhandwerken kam ein deutliches Investitionssignal, denn hier erhöhten 38 % ihre investiven Ausgaben während 13 % hier Kosten senkten. In allen anderen Gewerkegruppen wurde per Saldo weniger investiert. Deutlich rückläufig ist die Investitionsbereitschaft zuletzt im Kfz-Gewerbe.
Erwartungen: In naher Zukunft will mit 59 % (Vorjahr: 69 %) eine deutliche Mehrzahl der Betriebe ihre investiven Ausgaben konstant halten. Nur 9 % der Gesamtstichprobe wollen ihre Investitionen erhöhen. Einzig in den Nahrungsmittelgewerken ist der Investitionsklimaindex positiv (plus 22).

Den ausführlichen Bericht entnehmen Sie bitte dem Download auf diesen Seiten.

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -